Kontakt

Erinnerungsort Topf & Söhne –
Die Ofenbauer von Auschwitz

PD Dr. Annegret Schüle
Sorbenweg 7
99099 Erfurt
Fon: +49 (0)361 655 1681
topfundsoehne(at)erfurt(dot)de

Mehr zum Thema

Literatur
Die Monografie zur Firmengeschichte bestellen können Sie hier.

Den Begleitband zur Wanderausstellung bestellen können Sie hier.

Link

Website
Zur Internetseite des Erinnerungsortes Topf & Söhne gelangen Sie hier.

image

Firmenplakette

der Firma "J.A. Topf & Söhne"

image

Konstruktionsbüro

der Firma J.A. Topf & Söhne; hier die technische Abteilung Speicherbau, Juni 1940.

image

Peter Hansen

Verbrennungsöfen

von Topf & Söhne im Krematorium des KZ Buchenwald.

image

Dirk Urban

Ehemaliges Verwaltungsgebäude

der Firma J.A. Topf & Söhne, davor eine Schülergruppe während einer Führung.

image

Kastner/Pichler

Blick in den ehemaligen Zeichensaal,

wo Mitarbeiter der Firma J.A. Topf & Söhne die Krematorien für das KZ Buchenwald und das Vernichtungslager Auschwitz konstruierten.

image

Kastner/Pichler

Blick in die Ausstellung

im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma J.A. Topf & Söhne.

image

Dirk Urban

Schülergruppe

während einer Führung durch die Ausstellung.

Erarbeitung der Grundlagen, Dokumentation und Präsentation der Geschichte der Firma "J.A. Topf & Söhne"

Seit Februar 2002 wurde an der Gedenkstätte Buchenwald die Geschichte der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne erforscht. Auf der Grundlage des unter der Leitung von Prof. Dr. Volkhard Knigge maßgeblich von Dr. Annegret Schüle bearbeiteten Forschungsprojektes entstand die internationale Wanderausstellung „Techniker der ‚Endlösung’. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Verbindung mit dem Jüdischen Museum Berlin und dem Staatlichen Museum Auschwitz. Unter der Gesamtleitung von Prof. Knigge wurde sie durch Rikola-Gunnar Lüttgenau (Kurator), Dr. Annegret Schüle, Friedemann Rincke, Wolfgang Röll und Johanna Wensch erarbeitet. Im Juni 2005 erstmals im Jüdischen Museum Berlin präsentiert, war die Ausstellung bis Oktober 2010 in fünf deutschen und vier europäischen Städten zu sehen. Im Anschluss stellte sie die Stiftung Gedenkstätten dem in Erfurt auf dem ehemaligen Firmengelände neu etablierten Erinnerungsort „Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ kostenlos zur Verfügung. Unter der Leitung von Dr. Annegret Schüle zur Dauerausstellung sowie um eine Außenausstellung erweitert ist die Ausstellung dort seit Januar 2011 zu sehen. Damit wurde erstmalig in der Bundesrepublik die industrielle Mittäterschaft am Holocaust am Ort eines konkreten Unternehmens und damit inmitten der Gesellschaft thematisiert.

Finanziell unterstützt wurden die Erforschung, Dokumentation und Präsentation der Geschichte der Firma Topf & Söhne durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Freistaat Thüringen, die Kulturstiftung des Bundes, das Auswärtige Amt, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Hans Böckler-Stiftung.

Die Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne (gegründet 1878, bis zum Konkurs 1994 als „EMS – Erfurter Mälzerei- und Speicherbau“ tätig) ist ein prominentes Beispiel für die Mittäterschaft der Industrie bei der Vernichtung der europäischen Juden. Seit 1939 belieferte Topf & Söhne die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Mauthausen mit Krematoriumsöfen. Von der zivilen Praxis der Feuerbestattung in städtischen Krematorien wurde nur der technische Vorgang übernommen und dabei aller kulturellen Traditionen entkleidet. Mit dem Bau von Krematorien reagierten die SS-Bauleitungen der Konzentrationslager auf die hohe Todesrate unter den Häftlingen durch Hunger, Krankheiten, Misshandlung und Mord. Die Wende zur Mittäterschaft der Firma Topf & Söhne am Holocaust, das heißt an der massenhaften, industriellen Vernichtung menschlichen Lebens, kam 1941. In enger Kooperation mit der SS-Bauleitung in Auschwitz entwickelte Kurt Prüfer, Oberingenieur in der Abteilung Krematoriumsbau bei Topf & Söhne, eine Anlage für Auschwitz-Birkenau mit einer Einäscherungskapazität von täglich 4416 Körpern im Dauerbetrieb. Damit stand der SS eine wesentliche technische Voraussetzung zur Verfügung, um Auschwitz ab 1943 zum Zentrum der Vernichtung der europäischen Juden zu machen. Die Firma installierte auch die Ventilationssysteme in den Gaskammern von Auschwitz. Die Ingenieure und Monteure von Topf & Söhne waren mehrfach vor Ort, um die Baumaßnahmen zu leiten und durchzuführen, und wurden dabei Zeuge von Massentötungen. Einzelne Monteure hielten sich bis zu einem Jahr im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf.

Das Forschungsprojekt fragte danach, wie es möglich war, dass Betriebsleiter, Ingenieure und Arbeiter ihr fachliches Können und ihre berufliche Erfahrung scheinbar bruchlos in den Dienst der nationalsozialistischen Verbrechen stellten. Die Geschichte der Firma wurde in ihrem industrie- und lokalgeschichtlichen Kontext erforscht. In die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation wurde die Verdrängungs- und Erinnerungsgeschichte in Ost- und Westdeutschland nach 1945 einbezogen.

Die Mittäterschaft der Firma Topf & Söhne war erst in den 90er Jahren ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. 1993 stieß der britische Historiker Gerald Fleming im Zentralen Staatsarchiv Moskau auf die Protokolle der Verhöre, die Sowjetoffiziere mit den 1946 in der SBZ verhafteten Ingenieuren von Topf & Söhne geführt hatten. Jean-Claude Pressac legte in seinem Buch „Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes“ (München: Piper 1994) Beweise für die Beteiligung der Firma Topf & Söhne am Holocaust vor.

In der Stadt Erfurt engagierte sich seit 1999 ein von Bildungsträgern und Einzelpersonen getragener Förderkreis für ein Forschungsprojekt zur Firma Topf & Söhne und für die Nutzung von Teilen des historischen Ortes für Dokumentations- und Ausstellungszwecke. Eine vom Förderkreis organisierte Vortragsreihe liegt als Publikation vor: Aleida Assmann/Frank Hiddemann/Eckhard Schwarzenberger (Hrsg.), Firma Topf & Söhne – Hersteller der Öfen für Auschwitz. Ein Fabrikgelände als Erinnerungsort (Frankfurt: Campus, 2002).