Ingeborg Thiemeyer beim Empfang des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora für ehemalige Insassen des sowjetischen Speziallagers Buchenwald am 19. Juni 2015 in Weimar. Foto: Peter Hansen, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Trauer um Ingeborg Thiemeyer (1927-2022)

Langjähriges Mitglied des Beirats ehemaliger Internierter des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 verstarb am 4. September 2022

Ingeborg Thiemeyer, geb. Schröder, wurde am  6. Januar 1927 in Lobenstein/Thüringen geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Realschule begann sie im Jahr 1944 eine Lehre zur Fotografin und war tätig im "Bund Deutscher Mädel" - eine Mitgliedschaft war im Nationalsozialismus Pflicht für alle Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Im Mai 1945 musste sie aufgrund einer kurzfristigen Verhaftung durch die amerikanische Besatzungsmacht ihre Ausbildung zur Fotografin unterbrechen.

Nach dem Besatzungswechsel in Thüringen wurde sie im August 1945 erneut verhaftet (angegebener Verhaftungsgrund: BDM-Führerin) und überstellt an die Operative Gruppe Schleiz des NKWD. Vom 3. Oktober 1945 bis zum 6. August 1948 war sie im Speziallager Buchenwald inhaftiert.

Nach ihrer Entlassung nahm Ingeborg Thiemeyer ihre Lehre zur Fotografin wieder auf und schloss diese 1950 mit dem Gesellenbrief ab. Bis 1957 arbeitete sie im erlernten Beruf und leitete daneben ehrenamtlich Sportgruppen. Nach einer Weiterbildung arbeitete sie ab 1957 als Sportlehrerin in Heinersdorf und Lobenstein sowie als Sonderschulpädagogin. 1987 trat sie in den Ruhestand.

Seit 1990 ist es möglich, die Geschichte der sowjetischen Verhaftungen und Speziallager in Ostdeutschland öffentlich zu verhandeln und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Als langjähriges Mitglied der AG zur Aufarbeitung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers und des Häftlingsbeirates für das Speziallager Nr. 2 an der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora war Ingeborg Thiemeyer von Anfang an und bis zuletzt eine wichtige Zeitzeugin. In zahllosen Gesprächen hat sie sich den Fragen der Menschen, insbesondere von Schülerinnen und Schülern, gestellt und berichtete von ihren Erfahrungen.

Ihre warme und den Menschen zugewandte Art, wird allen, die ihr begegnet sind, in Erinnerung bleiben. Ingeborg Thiemeyer verstarb am 4. September 2022 in Görlitz. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora trauern um Ingeborg Thiemeyer. Ihren Angehörigen gilt unser tiefes Mitgefühl.