Foto: Peter Hansen, SGBUMD

Zum Umgang mit offiziellen Vertreter:innen der Regierungen von Russland und Belarus

Erklärung der Stiftung

Im Rahmen der Vorstellung des diesjährigen Programms zum 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora hat Stiftungsdirektor Prof. Dr. Jens-Christian Wagner bekannt gegeben, dass offizielle Vertreter:innen der Regierungen von Russland und Belarus bei den Gedenkveranstaltungen in Buchenwald und Mittelbau-Dora nicht willkommen sind.

Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht. Wenn offizielle Regierungsvertreter aus Russland und Belarus bei den Gedenkveranstaltungen zum 77. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora nicht willkommen sind, heißt dies nicht, dass KZ-Opfer aus diesen Ländern nicht geehrt würden, ganz im Gegenteil: Sie werden eine zentrale Rolle spielen. Zudem werden wir explizit daran erinnern, dass die ehemalige Sowjetunion neben Polen die Hauptlast des deutschen Raub- und Vernichtungskrieges getragen hat und dass es maßgeblich auch der Roten Armee zu verdanken ist, dass Deutschland und Europa vom Nationalsozialismus befreit wurde.

Nach dem gewaltsamen Tod von Boris Romantschenko wäre es aber eine unerträgliche Vorstellung, am Jahrestag der Lagerbefreiung offizielle Vertreter der russischen und der belarussischen Regierung, die für seinen Tod verantwortlich sind, in Mittelbau-Dora und Buchenwald willkommen zu heißen. Wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine werden Hunderte weitere KZ-Überlebende existentiell bedroht, wir stehen mit mehreren in Kontakt. Wir haben deshalb den diplomatischen und konsularischen Vertretungen von Russland und von Belarus schriftlich mitgeteilt, dass sie bei den Veranstaltungen der Stiftung zum 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora nicht willkommen sind.

Um deutlich zu machen, dass wir an den Gedenktagen ALLER Opfer von Buchenwald und Mittelbau-Dora gedenken, insbesondere auch der ehemaligen russischen, belarussischen und ukrainischen Häftlinge, die zusammen etwa 30 Prozent aller Gefangenen ausmachten, werden wir selbst Kränze mit Kranzschleifen in den Landesfarben von Russland und Belarus niederlegen lassen. Die Kranzschleifen werden nach Möglichkeit von Vertreter:innen der Zivilgesellschaft aus Russland und Belarus gerichtet. In Buchenwald werden zudem eine junge Ukrainerin und eine junge Russin in ihren jeweiligen Sprachen jenen Part des Schwurs von Buchenwald verlesen, den Boris Romantschenko 2015 zum 70. Jahrestag auf dem Appellplatz vorgetragen hat und der mit dem Satz endet: "Der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." Unser Vorgehen richtet sich also explizit nicht gegen Russland und Belarus und erst recht nicht gegen die Erinnerung an die KZ-Opfer aus diesen Ländern, sondern lediglich gegen die beiden Regierungen (bzw. ihre offiziellen Vertretungen), die derzeit schwerste Kriegsverbrechen begehen bzw. diese dulden und die zudem auch massiv gegen die Opposition im eigenen Land vorgehen.

Dieses Vorgehen haben wir mit Überlebenden des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora aus mehreren Ländern abgestimmt. Es findet ausdrücklich auch die Unterstützung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, dessen ukrainischer Vizepräsident den russischen Angriffen auf Charkiw zum Opfer gefallen ist.