Trauer um Albert van Dijk

Langjähriges Mitglied des Häftlingsbeirats der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora gestorben

Mit tiefer Anteilnahme erfuhren wir gestern vom Tod Albert van Dijks. Er starb am 9. Oktober im Alter von 97 Jahren.

Albert van Dijk wurde am 5. Juli 1924 in Kampen (Niederlande) geboren. Nachdem er sich an anti-deutschen Krawallen in seiner Heimatstadt beteiligt hatte, wurde er im November 1942 zur Zwangsarbeit nach Allendorf bei Marburg deportiert. Er floh schon bald von seinem Arbeitsplatz, doch er wurde schnell wiederergriffen. Im Januar 1943 wurde er aufgrund seines Fluchtversuchs ins KZ Buchenwald eingewiesen.

Anfang Januar 1944 wurde er ins damalige Außenlager Dora überstellt, wo er vier Monate lang im Stollen leben und arbeiten musste. Als Schreiber seines Arbeitskommandos verbrachte er seine Tage damit, die Kranken und Toten, die nicht zum Zählappell erschienen waren, zu suchen und zu registrieren.

Im Sommer 1944 kam Albert van Dijk ins Außenlager Nüxei und musste in der SS-Baubrigade III Zwangsarbeit beim Bau der Helmetalbahn leisten. Anfang April 1945 wurde das Lager geräumt. Van Dijk gelang es jedoch vom Todesmarsch zu fliehen. Er wurde einige Tage von einer russischen Zwangsarbeiterin auf einem Bauernhof versteckt und schließlich von sowjetischen Truppen befreit.

Nach seiner Befreiung kehrte Albert van Dijk in seine Heimatstadt Kampen zurück, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. 1946 heiratete er. Aus der Ehe gingen 6 Söhne, 14 Enkelkinder und mehrere Urenkel hervor. Den Hinterbliebenen sprechen wir unser herzliches Beileid aus.

Albert van Dijk besuchte die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora seit den 90er Jahren regelmäßig und war langjähriges Mitglied im Beirat der ehemaligen Häftlinge. Zusätzlich sprach er vor Schulklassen und in Interviews für Radio, Zeitung und Fernsehen über seine KZ-Haft. Seine charmante, freigeistige Art wussten alle zu schätzen, die Albert van Dijk kennenlernen durften. Uns erfüllt tiefe Trauer um diesen Verlust.