Nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938 verhaftete jüdische Männer werden von der SS auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald registriert. Foto: American Jewish Joint Distribution Committee, New York

Erinnerung an die Opfer des antijüdischen Pogroms vom 9./10. November 1938

Gedenkfeier mit szenischer Lesung am historischen Ort des Sonderlagers am 9. November 2021 um 13.30 Uhr

„Plötzlich schrie ein Mann: ‚Ich habe für Deutschland gekämpft. Ich lag über vier Jahre an der Front. Ich bin deutscher Jude. 2.000 Jahre verfolgt man uns schon und ihr wollt ein Kulturvolk sein!‘ Man schleppte ihn zur Seite. Er bekam gleich eine Sonderbehandlung. 25 Stockschläge auf den nackten Hintern. Der Mann schrie, man hörte so richtig, wie der SS-Mann ausholte, die Luft schnitt mit dem Stock, daß es nur so pfiff [...] Ich dachte an Weimar, Buchenwald, Goethe. Ich begriff nichts mehr."

So erinnert Julius Katz den offenen Antisemitismus, die Beschimpfungen und die körperliche Gewalt, denen er und die anderen jüdischen Männer im Konzentrationslager Buchenwald ausgesetzt waren.

In den frühen Morgenstunden des 10. November brennen überall in Deutschland die Synagogen. Juden werden aus ihren Wohnungen geschleppt, zusammengetrieben, geschlagen oder ermordet. Als der Tag anbricht, stehen Schaulustige vielerorts vor verkohlten Gebäuderesten – sehen zu, wie die SA das Mobiliar auf die Straße wirft und Geschäfte plündert. Manche machen mit, viele sind wie gelähmt. Einmal mehr, aber wie nie zuvor öffentlich, demonstrieren die Nationalsozialisten, dass sie über blutige Gewalt nicht nur reden. Nach dem Pogrom lässt die Gestapo über 26.000 jüdische Deutsche verhaften und in Konzentrationslager bringen. Sie sollen – so der Auftrag der SS – Todesangst erleben. Alles ist darauf ausgerichtet, ihnen die Würde zu nehmen und sie auszuplündern.

In Weimar spricht es sich herum, dass die SS Juden über das Bahnhofsgelände jagt und zum Ettersberg bringt. Allein in das dortige KZ Buchenwald verschleppt sie 9.845 Männer aus ganz Deutschland. Die SS hält sie in einer mit Stacheldraht abgegrenzten Zone westlich des Appellplatzes in fünf scheunenartigen Baracken gefangen. Tagelang kommt hier niemand zum Ausruhen. Die Lebensbedingungen sind menschenunwürdig, sanitäre Einrichtungen gibt es kaum.

Staatliche Behörden und die SS erpressen hier von den Männern die Aufgabe ihres Besitzes und die Verpflichtung, Deutschland zu verlassen. In den hundert Tagen der Existenz des jüdischen Sonderlagers werden 250 Menschen um ihr Leben gebracht.

Den Ort des jüdischen Sonderlagers markiert heute ein Gedenkstein.

Die Gedenkfeier für die 9.845 jüdischen Männer, die im November 1938 nach Buchenwald verschleppt wurden, findet am Dienstag, den 9. November 2021 um 13.30 Uhr am Gedenkstein für die Opfer des Pogroms und des jüdischen Sonderlagers statt.

Begrüßung

Dr. Philipp Neumann-Thein,
Stellv. Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Grußwort

Ran Ronen
Zentralrat der Juden in Deutschland

Szenische Lesung aus Biographien und Erinnerungen

Ekaterina Pototskaia (Russland), Amanda Werner (USA), Hanno Bernauer, Hanna Markus, Devin Wegner (Deutschland) - Internationale Freiwillige an der Gedenkstätte Buchenwald

Kaddisch

Alexander Nachama
Landesrabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen

Kranzniederlegung

 

Für die Gedenkfeier gilt die 3G+ Regel. Bitte führen Sie einen entsprechenden Nachweis bei sich und tragen Sie einen Maske.