Trauer um Professor Dr. Włodzimierz Borodziej

Am 11. Juli 2021 ist in Warschau im Alter von 64 Jahren Professor Dr. Włodzimierz Borodziej verstorben. Wir trauern um einen wichtigen Wegbegleiter, Berater und Freund.

Włodzimierz Borodziej, Jg. 1956, war einer der führenden Zeithistoriker Polens und spezialisiert auf polnische und europäische Geschichte im 20. Jahrhundert. Zu seinen wichtigsten deutschsprachigen Veröffentlichungen gehören Terror und Politik. Die deutsche Polizei und die polnische Widerstandsbewegung im Generalgouvernement 1939-1944, Mainz 1999, Der Warschauer Aufstand 1944, Frankfurt am Main 2001, Vertreibungen europäisch erinnern? Historische Erfahrungen – Vergangenheitspolitik – Zunkunftskonzeptionen, herausgegeben mit Dieter Binger und Stefan Troebst, Wiesbaden 2003, Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München 2010, Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950: Dokumente aus polnischen Archiven, 4 Bände, herausgegeben mit Hans Lemberg, Marburg 2000-2004.

Włodzimierz Borodziej wuchs zweisprachig auf und studierte Geschichte und Germanistik in Warschau. Dort wurde er 1984 promoviert und habilitierte sich 1991 mit einer Arbeit über Polen in den internationalen Beziehungen 1945 bis 1947. Seit 1996 Professor für Zeitgeschichte an der Universität Warschau war er u. a. von 1999 bis 2002 Prorektor der Universität, von 1997 bis 2007 Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission sowie Chefherausgeber der Polnischen Diplomatischen Akten. Gastprofessuren führten ihn nach Marburg und Jena. Mit seiner hoch geschätzten wissenschaftlichen Expertise war Włodzimierz Borodziej von 2010 bis 2016 Direktor des Imre Kertész Kollegs Jena (gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim von Puttkamer) und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des in Entstehung begriffenen Hauses der europäischen Geschichte in Brüssel.

Im wissenschaftlichen Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora beriet er von 2003 bis 2010 u. a. die Konzeption der internationalen Wanderausstellung Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg, die 2013 im Königsschloss zu Warschau Station machte. Auch die Konzeption und Realisierung der 2006 eröffneten Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora begleitete er maßgeblich.

Für sein auf Verständnis und Austausch über Grenzen hinweg orientiertes Wirken erhielt Włodzimierz Borodziej Auszeichnungen und Ehrungen wie den Viadrina-Preis der Europa- Universität Frankfurt/Oder (2002), den Herder-Preis der Alfred Toepfer Stiftung (2006), den Carl von Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg (2010) und den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg (2020). Er war Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2002) sowie des Offizierskreuzes des Order Odrodzenia Polski (2014).

Die europäische Zeitgeschichte hat einen ihrer wichtigsten Experten und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora einen wichtigen Ratgeber verloren. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.