Foto Juliane Werner, SGBUMD

Trauer um Ottomar Rothmann

Im Alter von 97 Jahren verstarb am 14. Dezember 2018 der ehemalige Buchenwaldhäftling und Weimarer Ehrenbürger Ottomar Rothmann. Sein Tod erfüllt uns mit großer Trauer.

Die Stimme von Ottomar Rothmann wird uns fehlen. Bis zuletzt verging kaum ein Monat, in dem er nicht seine Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen teilte. In vielen Gedenkveranstaltungen war seine kraftvolle, feste Stimme zu hören; in Zeitzeugengesprächen war er ebenso geschätzt als ruhiger, geduldiger Erzähler, den die viel Jüngeren gut verstanden, da er auch ein Ohr für sie hatte. 

Ottomar Rothmann kam am 6. Dezember 1921 in Magdeburg zur Welt; sein Vater: ein kleiner  Angestellter, Sozialdemokrat und leidenschaftlicher Verteidiger der ungeliebten Republik, die Mutter: voll beschäftigt mit der Bewältigung der täglichen Not und der Fürsorge für acht Kinder, er und die Geschwister: früh organisiert in der sozialistischen Jugend. Die Ehe zerbrach, die Familie lebte von der Wohlfahrt, aber sie passte sich nicht an, als die Nationalsozialisten zur Macht kamen.
Bei einem Kaufmann im Magdeburger Arbeiterviertel ging Ottomar Rothmann in die Lehre. Im Nationalsozialismus galt er als „jüdischer Mischling“, die Gestapo hatte ein Auge auf die Familie. Trotzdem holte er 1942 seinen alten Kinder-Druckkasten hervor und stempelte Zettel, die er während der Verdunklung an Haustüren und Holzplanken klebte, Zettel gegen Hitlers Krieg.
Am 30. Januar 1943 nahm ihn die Polizei zu Hause fest. Er gestand nichts und sie konnten ihm nichts nachweisen, doch allein der Verdacht brachte ihn im Juli 1943 in das Konzentrationslager Buchenwald. Kommunisten, wie sein Blockältester Otto Storch, halfen ihm, zu überleben, bezogen ihn in ihre illegale Arbeit ein und nahmen ihn schließlich Anfang 1945 in die illegale Widerstandsorganisation auf.
Bei der Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 war Ottomar Rothmann 23 Jahre alt. Sofort half er mit, das zivile Leben in Thüringen neu zu organisieren. Zunächst beim Aufbau der Polizei in Weimar, später im Landwirtschaftsministerium, bei der Deutschen Notenbank und der Lebensmittelversorgung. Seit 1960 war er Vorstandsmitglied der Abteilung Produktion im Konsum-Genossenschaftsverband des Bezirkes Erfurt.
Im November 1974 kehrte Ottomar Rothmann auf Bitten seines ehemaligen Mithäftlings Klaus Trostorff, inzwischen Direktor der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, auf den Ettersberg zurück, um eine pädagogische Abteilung aufzubauen, die er zwölf Jahre lang strukturierte und leitete.
Bis zu seinem Tod war Ottomar Rothmann für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung ein geschätzter Freund, Gesprächspartner und Ratgeber, nicht zuletzt durch seine intensive und jahrelange Mitarbeit im Beirat ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald. 2011 verlieh ihm die Stadt Weimar "in besonderer Anerkennung seiner Verdienste um das Vermächtnis von Buchenwald" die Ehrenbürgerwürde.

Ottomar Rothmann verstarb im Alter von 97 Jahren am Mittag des 14. Dezember 2018. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche und große Lücke. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Seinen Angehörigen gilt unser tiefes Mitgefühl.

Die Trauerfeier findet am 5. Januar 2019 um 12 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Weimar statt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora