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Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte

Kooperationsveranstaltungen am 27. Oktober 2018 in Weimar

Im Rahmen des "Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte" vom 26. bis 28. Oktober 2018 finden mehrere Veranstaltungen in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora statt.

Faszination und Gewalt: NS-Deutschland und Vichy-Frankreich im Vergleich

am 27. Oktober um 13.00 Uhr – Eckermann Buchhandlung Weimar
Prof. Dr. jur. Aurore Gaillet (Toulouse), Florian Dierl (Nürnberg), Dr. Bérénice Zunino (Besançon)
Moderation: Dr. Philipp Neumann-Thein (Weimar)

„Wieder ist es erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht“, notierte der Romanist und Politiker Victor Klemperer Anfang 1933 in seinem Tagebuch. Er gehörte zu einer Minderheit in Deutschland, die die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten kritisch wahrnahm. Die neuen Machthaber zerstörten innerhalb kurzer Zeit die Grundlagen der Weimarer Republik – demokratische Gewaltenteilung, Gleichheit vor dem Gesetz, Meinungsfreiheit und alle anderen Bürgerrechte – und propagierten stattdessen die Errichtung einer rassistisch definierten „Volksgemeinschaft“. Bereits nach wenigen Jahren funktionierten Medien, Justiz und staatliche Verwaltungen nur noch in diesem Sinne.
Seit Ende der 1930er Jahre dehnte das nationalsozialistische Deutschland seine Einflusssphäre gewaltsam immer weiter aus. Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 proklamierte die neue, nunmehr in Vichy ansässige französische Regierung eine „Révolution nationale“ und wendete sich von den Prinzipien der Französischen Revolution und der aus ihr gewachsenen republikanischen Tradition ab. Ihre konservativ-autoritäre Politik drückte sich unter anderem in scharfer Pressezensur, Unterdrückung der Opposition und rassistischen Gesetzen und Maßnahmen aus, bis hin zu Deportationen von Juden in die deutschen Vernichtungslager.
Das Podium fragt nach Hintergründen und Mechanismen für die damalige Verführung der Massen, deren spätere Mobilisierung und ihren Widerstand gegen diese Entwicklung in Deutschland und Frankreich.

Film und Gespräch: "Hitlerjunge Quex"

am 27. Oktober um 17.00 Uhr – Notenbank Weimar
Film von Hans Steinhoff, D 1933, 95 Min.
anschließend Publikumsgespräch mit Ronald Hirte (Weimar) und Fritz von Klinggräff (Genf/Weimar)

Der Film spielt während der Straßenkämpfe zwischen Kommunisten und Faschisten Anfang der 1930er Jahre. Heini Völker ist der Sohn eines zum Sozialismus tendierenden Arbeiters, der Heini davon überzeugen will, in eine linksorientierte Jugendgruppe einzutreten. Der tugendhafte Sohn fühlt sich jedoch zu der Hitlerjugend hingezogen. Heini erfährt von einem Anschlag der Kommunisten auf ein Jugendheim der HJ und verrät den Plan. Dadurch ist sein Leben in der kommunistischen Jugendorganisation verwirkt. Heinis verzweifelte Mutter versucht, ihren Sohn und sich selbst umzubringen, bevor sich die Kommunisten an ihrem Kind rächen können, aber der Junge überlebt. Die HJ besucht Heini im Krankenhaus, nimmt ihn nun offiziell in ihre Gruppe auf und schenkt ihm eine ihrer Uniformen. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus engagiert sich Heini mit Tatendrang und verteilt bei einer Propaganda-Aktion Flugplätter der Nationalsozialisten. Dabei wird er von Kommunisten niedergeschossen.

Film und Gespräch: "Hassjünger"

27. Oktober, 20 Uhr – Notenbank Weimar
Film von Julia Knopp und Maximilian Damm, D 2018, 60 Min.
Prod: Filmakademie Baden-Württemberg, in Co-Produktion mit dem SWR
Gespräch mit Julia Knopp und Maximilian Damm sowie Prof. Dr. em. Ernst-Dieter Lantermann (Kassel)

Ein Ex-Salafist und ein Ex-Neonazi stellen sich in dieser Dokumentation ihrer Vergangenheit. Dominic Schmitz und Felix Benneckenstein waren jahrelang gefangen in einer Ideologie. Sie haben ihr komplettes Leben und sich selbst dafür aufgegeben. Sie waren Extremisten: zwei Jugendliche, die in der Pubertät zu Fanatikern wurden. In völlig unterschiedlichen Gruppierungen und doch so ähnlich in der Biografie. Anhand ihrer Erfahrungsberichte stellt der Film eine der wohl brennendsten Fragen unserer Zeit: Warum werden Menschen radikal?