Lucien Berthel am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora. Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Trauer um Lucien Berthel

Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen verstorben.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora trauern um Lucien Berthel.

Lucien Berthel wurde am 1. Februar 1927 in Magny-Vernois/Frankreich geboren. Im Alter von 15 Jahren folgte er dem Aufruf eines Freundes und schloss sich der Résistance an. Im September 1944 wurde Lucien Berthel wegen seiner Aktivitäten im französischen Widerstand verhaftet. Nach zwei Wochen im Gefängnis von Belfort wurde der Siebzehnjährige am 3. Oktober 1944 nach Buchenwald deportiert, wo er drei Wochen in Quarantäne verbringen musste. Etwa sechs Wochen später verschleppte ihn die SS nach Ellrich-Juliushütte, ein Außenlager des Konzentrationslagers Mittelbau. Hier musste Lucien Berthel schwerste Zwangsarbeit leisten. Im Zuge der Lagerräumung trieb ihn die SS am 4. April 1945 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo er am 15. April 1945 von britischen Truppen befreit wurde.

Nach dem Krieg kehrte Lucien Berthel nach Frankreich zurück und gründete eine Familie. Er sah es als seine Aufgabe an, die Erinnerung an diejenigen, die das KZ Mittelbau-Dora nicht überlebt haben, wach zu halten: 2001 erschien sein Erinnerungsbericht „Partir pour l‘Allemagne“, in dem er eindrucksvoll seine Haftzeit schilderte. Lucien Berthel widmete das Buch seinen Kameraden, die das KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte nicht überlebt hatten. Er nahm regelmäßig an den Jahrestagen zur Befreiung des KZ Mittelbau-Dora teil. Während seiner zahlreichen Besuche in Deutschland suchte Lucien Berthel besonders den Kontakt zur Jugend: Als Zeitzeuge erzählte er den Schülerinnen und Schülern seine Lebensgeschichte mit beeindruckender Intensität.

Lucien Berthel verstarb am 6. Juli 2018 in Champagney/Frankreich.