Danuta Brzosko-Mędryk 2012 in Warschau. Foto: Ronald Hirte, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Trauer um Danuta Brzosko-Mędryk (1921-2015)

Die Ärztin, Schriftstellerin und Überlebende der Konzentrationslager Majdanek, Ravensbrück und Buchenwald verstarb am 1. September 2015 in Warschau

Am 4. August 1921 wird Danuta Brzosko in dem polnischen Ort Pultusk geboren. Als Kind ist sie Mitglied im Pfadfinderbund, Autorin und Darstellerin im Schultheater. Trotz Schulverbots durch die deutschen Besatzer besucht sie illegal das Königin-Jadwiga-Gymnasium in Warschau. Sie möchte Kinderärztin oder Schriftstellerin werden.

Im Juli 1940, während der Abiturprüfung, wird Danuta Brzosko wegen illegalen Schulbesuchs verhaftet. Sie sitzt mit ebenfalls verhafteten Lehrern für drei Wochen im Pawiak-Gefängnis in Warschau, wo sie die letzten Abiturprüfungen ablegt. Die Freilassung erfolgt vermutlich auf öffentlichen Druck hin. Im August 1942 erfolgt die zweite Verhaftung - wieder Pawiak-Gefängnis -, am 18. Januar 1943 die Einlieferung in das KZ Majdanek. Dort organisiert sie gegenseitige Hilfe unter den Frauen und betreibt mit anderen das illegale Kabarett "Radio Majdanek". Im April 1944 wird Danuta Brzosko in das KZ Ravensbrück überstellt. Im Juni kommt sie in das Außenlager HASAG Leipzig des KZ Buchenwald, wo sie für die deutsche Rüstung arbeiten muss. Während eines Evakuierungsmarsches, auf den die SS die Häftlinge treibt, wird sie in der Nähe von Wurzen am 26. April 1945 durch kanadische Truppen befreit.

Nach ihrer Rückkehr nach Polen studiert Danuta Brzosko in Łódź Medizin und arbeitet seit 1949 bis 1976 als Zahnärztin. Sie heiratet Jerzy Medryk. 1965 beginnt sie zu schreiben: Romane mit autobiographischen Zügen, in denen sie vor allem ihre Erinnerungen an das KZ und das Schicksal von Frauen und Kindern im Zweiten Weltkrieg thematisiert. Später schreibt sie auch Filmdrehbücher. Seit den siebziger Jahren ist Danuta Brzosko-Medryk in der Friedensbewegung tätig, 1989 erhält sie den Aachener Friedenspreis.

Sie gehört der "Hauptkommission zur Untersuchung der Naziverbrechen in Polen" an. Im Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos vertritt sie von 1996 bis 2001 die ehemaligen weiblichen Häftlinge des KZ Buchenwald. 1998 bis 2003 ist sie Mitglied des Beirats ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald an der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.