Die Ausstellung zum sowjetischen Speziallager Nr. 2 1945 - 1950 in der Gedenkstätte Buchenwald. Foto: Claus Bach

Tage der Begegnung 2015

Veranstaltungen vom 18. bis 27. Juni aus Anlass der Einrichtung des sowjetischen Speziallagers Buchenwald vor 70 Jahren, des 65. Jahrestages seiner Auflösung und des Beginns der Aufarbeitung der Lagergeschichte vor 25 Jahren

Das im August 1945 für Thüringen eingerichtete sowjetische Speziallager Buchenwald wurde Anfang 1950 aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort Internierte aus der gesamten sowjetischen Besatzungszone. Insgesamt erlitten das Lager mehr als 28.000 Gefangene. Über 7.100 von ihnen verstarben.

Im Zuge der Auflösung des Lagers wurden über 2.500 Häftlinge durch DDR-Sondergerichte (Waldheimer Prozesse) zu weiterer, langjähriger Haft verurteilt. Einige traten den Weg in den Gulag, das System der sowjetischen Zwangsarbeits- und Straflager, an. Die Familien erhielten keinerlei Nachricht über den Verbleib ihres Angehörigen, auch keine offizielle Benachrichtigung im Falle des Todes. Erst 1990 konnte die Geschichte der sowjetischen Speziallager auf Grundlage neu zugänglicher Archivquellen aus russischen Staatsarchiven wie auch in Zusammenarbeit mit ehemaligen Lagerinsassen erforscht werden.

Freitag, 19. Juni 2015

Gedenkstätte Buchenwald

Das Speziallager Nr. 2 aus der Sicht der Zeitzeugen. Gespräche mit Schülerinnen und Schülern aus der Region

(nur nach rechtzeitiger Voranmeldung)
Die Tagesveranstaltung zum Thema „Das sowjetische Speziallager Nr. 2 – 1945-1950 – aus der Sicht der Zeitzeugen“ gibt Jugendlichen die Möglichkeit, sich intensiv mit der Geschichte des „Lagers nach dem Lager“ auseinanderzusetzen und mit ehemaligen Internierten ins Gespräch zu kommen. Die Zeitzeugengespräche werden durch einen geführten Rundgang über das ehemalige Lagergelände und durch die Ausstellung zum sowjetischen Speziallager ergänzt. Die Begegnungen werden moderiert und begleitet von Mitarbeitern der Gedenkstätte.

Freitag, 19. Juni 2015

Hotel „Dorotheenhof“ Weimar

Empfang des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora für ehemalige Internierte des sowjetischen Speziallagers Buchenwald

Teilnahme auf individuelle Einladung

Freitag, 19. Juni bis Sonntag, 13. September 2015

Stadtmuseum Weimar

„Kindheit hinter Stacheldraht“

Eine Sonderausstellung des Kindheit hinter Stacheldraht e. V.

Die von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Wanderausstellung ist den Kindern gewidmet, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in einem sowjetischen Speziallager oder in einem Gefängnis der DDR geboren wurden. Als die letzten Lager 1950 aufgelöst wurden, übergaben die sowjetischen Behörden viele Gefangene „zur weiteren Strafverbüßung“ an die neugegründete DDR. Die schickte die politisch verurteilten Frauen u. a. in das bekannte und gefürchtete Gefängnis von  Hoheneck. Man trennte die Kinder von den Müttern und steckte sie in Heime, wo sie isoliert wurden und im „Geiste des Sozialismus“ erzogen werden sollten. Ähnlich erging es auch jenen Kindern, die in den Gefängnissen der DDR geboren wurden. Erst mit der Entlassung der Mutter, oft nach vielen langen Jahren, gab es – nicht für alle – ein Wiedersehen zwischen Mutter und Kind.

Samstag, 20. Juni 2015

Gedenkstätte Buchenwald, Trauerplatz gegenüber dem Ausstellungsgebäude Speziallager

10 Uhr

Gedenkveranstaltung der Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950 e. V.

Ansprachen
Frau Heidrun Brauer

Vorsitzende der Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950 e. V.

Herr RA Günther Rudolph
Vorsitzender des Häftlingsbeirates für das ehemalige sowjetische Speziallager Nr. 2

Herr Professor Dr. Volkhard Knigge
Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Herr Christian Dietrich
Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Alexander Latotzky
Vorsitzender des Bautzen-Komitee e. V.

11 Uhr

Ökumenischer Gottesdienst

Gedenkstätte Buchenwald, Treffpunkt: Besucherinformation

13.15 Uhr & 14.15 Uhr

Öffentliche Sonderführungen „Das sowjetische Speziallager Nr. 2“ durch Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald

15.00 Uhr, Stadtmuseum Weimar

Kindheit hinter Stacheldraht. Erinnerungen an das sowjetische Speziallager Sachsenhausen

Ein Film von Hans-Dieter Rutsch Filmvorführung (der Regisseur ist anwesend) und Zeitzeugengespräch Moderation: Alexander Latotzky

Eine Veranstaltung des Kindheit hinter Stacheldraht e. V.

Donnerstag, 25. Juni 2015, 18.00 Uhr

Goethe-Nationalmuseum Weimar, Festsaal

Das Jahr 1945 und das Kriegsende in Europa

Vortrag von Prof. em. Dr. Jost Dülffer (Köln) mit anschließender Podiumsdiskussion mit Prof. em. Dr. Jost Dülffer, Prof. Dr. Galina Ivanova (Moskau) und Prof. Dr. Volkhard Knigge (Weimar).
Moderation: PD Dr. Jörg Ganzenmüller (Jena/Weimar) im Rahmen der Konferenz „25 Jahre  Aufarbeitung der Geschichte sowjetischer Speziallager“ am 26./27. Juni 2015 in Weimar.

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, die am 8. Mai 1945 in Kraft trat, endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Viele Millionen Menschen waren in dem von Deutschland begonnenen Krieg ums Leben gekommen, Verkehrsverbindungen, Wohnhäuser und Industrieanlagen waren verwüstet. Die alliierten Truppen, die die Konzentrations- und Vernichtungslager befreiten, waren mit dem extremen Ausmaß der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen konfrontiert. Die Anti-Hitler-Koalition war sich im Grundsatz einig: die Verantwortlichen für die Verbrechen sollten erurteilt, Staat und Gesellschaft „entnazifiziert“ werden. Das Vorgehen war dennoch in den verschiedenen Besatzungszonen unterschiedlich und hing auch mit den verschiedenen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Strukturen in den einzelnen Ländern zusammen. Der Vortrag und die anschließende Podiumsdiskussion nehmen aus mehreren Perspektiven das Jahr 1945 als historischen Wendepunkt des 20. Jahrhunderts in den Blick.

Eine Kooperation der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit der Gedenkstätte und  Museum Sachsenhausen, der Stiftung Ettersberg und der Klassik Stiftung Weimar, mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e. V. – AsKI.

Freitag, 26. Juni und Samstag, 27. Juni 2015

Goethe-Nationalmuseum Weimar, Festsaal

25 Jahre Aufarbeitung der Geschichte sowjetischer Speziallager

In diesem Jahr blicken die Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen auf 25 Jahre wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte sowjetischer Speziallager in der SBZ/DDR 1945-1950 zurück. Deren Existenz wurde in der DDR tabuisiert, im Westen zur Zeit des Kalten Krieges politisch instrumentalisiert. Erst nach dem Ende des Ost-West-Konflikts konnte die Aufarbeitung beginnen. Vor dem Hintergrund öffentlicher Kontroversen fand – in intensiver Zusammenarbeit mit ehemaligen Häftlingen – eine sachliche und differenzierte Aufklärung über die (Vor)geschichte der Speziallager statt. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Geschichte der Aufarbeitung und der sie begleitenden Kontroversen. Zudem werden neue Ergebnisse und offene Forschungsfragen im Kontext größerer Zusammenhänge – der stalinistischen Repressionen und des sowjetischen Lagersystems nach Kriegsende ebenso, wie der Wirkungs- und Nachgeschichte des Nationalsozialismus – diskutiert.

Eine Konferenz der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Kooperation mit der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, der Stiftung Ettersberg und der Klassik Stiftung Weimar, mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e. V. - AsKI

Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie hier

Die Teilnahme an allen öffentlichen Veranstaltungen ist kostenfrei. Das Faltblatt zu den Veranstaltungen finden sie hier

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie von der Thüringer Staatskanzlei.