Foto: Gedenkstätte Buchenwald

Trauer um Milivoj Lalin (1925-2012)

Überlebender der KZ Dachau und Buchenwald und kroatischer Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) verstorben

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora  trauern um Milivoj Lalin. Wir werden ihn nicht vergessen und ihm und seinem Werk ein ehrendes Andenken bewahren.

Milivoj Lalin wurde am 30. Januar 1925 in Kotor (Kroatien) geboren. Bereits als Gymnasiast war er im Bund der kommunistischen Jugend Jugoslawiens (SKOJ) organisiert und nahm an Demonstrationen der Mittelschuljugend gegen die Ausstellung der Zeugnisse in italienischer Sprache teil.

Am 16. Juni 1942 verhafteten ihn die italienischen Besatzer wegen illegaler Widerstandsarbeit und verurteilten ihn zu langjähriger Haft. Bis September 1943 saß Milivoj Lalin in verschiedenen italienischen Gefängnissen (Capo d'Istria, Trieste und Perugia). Im Oktober 1943 wurde er über Dachau in das KZ Buchenwald deportiert. Er war Mitglied des Lagerjugendkomitees (jugoslawisches Komitee) und gehörte der illegalen Widerstandsgruppe an. Nach der Bombardierung Buchenwalds wurde er am 12. September 1944 in das Außenlager Halberstadt verlegt. Im Zuge der Auflösung dieses Lagers am 8. April 1945 kam er zurück nach Buchenwald. Nach der Befreiung Buchenwalds am 11. April 1945 arbeitete Milivoj Lalin mit Rudi Supek an der Ausgabe der jugoslawischen Lagerzeitung "Naš glas" (Unsere Stimme) mit.

Im August 1945 kehrte Milivoj Lalin nach Split zurück und studierte an der Pädagogischen Hochschule. Im Anschluss an seinen Militärdienst war er als Berichterstatter der staatlichen jugoslawischen Nachrichtenagentur TANJUG tätig. Seit 1952 arbeitete er als Lehrer und von 1959 bis 1991 als Schulleiter sowie in der politischen und gesellschaftlichen Bildung. Er war Gewerkschaftsführer in Split, Kroatien und im Bundesausschuss Jugoslawiens, Abgesandter im Parlament der Sozialistischen Republik Kroatien. 1983 gründete er die Gesellschaft der jugoslawisch-französischen Freundschaft und war deren Vorsitzender.

Im Jahr 1965 stellte Milivoj Lalin die kulturelle und See-Schiffahrtsverbindung zwischen Split (Kroatien) und Pescara (Italien) her, gründete und redigierte mehrere Zeitschriften, verfasste Beiträge und arbeitete an mehreren Büchern mit. Er vertrat die Vereinigung der Buchenwald-Häftlinge in allen Republiken des früheren Jugoslawiens und war Vizepräsident des IKBD für Jugoslawien, nach dessen Auflösung für Kroatien.

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb Milivoj Lalin bereits im August diesen Jahres im Alter von 87 Jahren.