Arno Lustiger, 7. Februar 1924 - 15. Mai 2012. Foto: SGBUMD

Trauer um Arno Lustiger

Im Alter von 88 Jahren verstarb am 15. Mai 2012 in Frankfurt/Main unser hoch geschätzter Freund Arno Lustiger. Diese Nachricht erfüllt uns mit großer Trauer.

Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Zum Leben Arno Lustigers

Arno Lustiger wurde am 7. Mai 1924 in Bendzin (ehemaliges Oberschlesien) als Sohn eines Großhändlers für Maschinen geboren. Er engagierte sich in der bürgerlich-zionistischen Jugendbewegung, später in der sozialistisch-bündischen Jugend. Dem Besuch des jüdischen Gymnasiums schloss sich ein illegales Studium an der Fernschule Berlin (Ingenieurtechnik) an. 1943 wurde Bendzin ghettoisiert, Arno Lustiger kam in verschiedene Arbeitslager, später nach Blechhammer, ein Außenlager des KZ Auschwitz. Während der Auflösung dieses Lagers infolge des Vorrückens der Roten Armee Anfang 1945 gelangte er mit Evakuierungstransporten über das KZ Groß-Rosen in das Kleine Lager des KZ Buchenwald. Bald darauf wurde er in das Außenkommando Langenstein-Zwieberge weiterdeportiert. Während eines von dort abgehenden Todesmarsches konnte er Anfang April 1945 fliehen und wurde durch die US-Armee gerettet.

Nach der Befreiung war Arno Lustiger Dolmetscher für die amerikanische Armee und 1945-1948 Redakteur der Zeitung „Unterwegs“ im Displaced-Persons-Lager Frankfurt-Zeilsheim. Er unterstützte die illegale Auswanderungsbewegung nach Palästina und war für die Zentrale Historische Kommission zur Dokumentation des jüdischen Lebens in den Lagern tätig. Später arbeitete er im Zionistischen Weltverband mit und war Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied der Budge-Stiftung. Ende der vierziger Jahre gründete er ein Textilunternehmen in Frankfurt am Main.

1984 begann Arno Lustiger umfangreiche Recherchen, um sein Erfahrungswissen über das Ausmaß des Widerstandes der Juden gegen ihre Vernichtung mit Dokumenten zu belegen und bekannt zu machen. Er wurde Herausgeber und Autor von Büchern und Zeitungsartikeln über den Widerstand der Juden im spanischen Bürgerkrieg, in NS-Deutschland, in Polen und in der Sowjetunion.
1998 erschien "Rotbuch: Stalin und die Juden", 2002 "Wir werden nicht untergehen. Zur jüdischen Geschichte".
Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen, 2003 die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam und 2007 den Professorentitel des Landes Hessen. Im Sommersemester 2004 bis zum Sommersemester 2006 war er Gastprofessor am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main. Arno Lustiger lebte bis zuletzt in Frankfurt am Main.