Lise London im Jahr 2000 in ihrer Pariser Wohnung.

Trauer um Lise London

Im Alter von 96 Jahren verstarb am 31. März 2012 in Paris die Überlebende der Konzentrationalslager Ravensbrück und Buchenwald Lise London. Mit ihr hat Europa eine der bekanntesten Widerstandskämpferinnen verloren, die sich bis zuletzt aktiv für die Erinnerung an die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen eingesetzt hat.

Wir werden Lise London nicht vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Zur Biografie von Lise London

Lise London wurde am 15. Februar 1916 als Lise Ricol in Monceau les Mines/Frankreich geboren. Ihre Eltern, die in Spanien beheimatet waren, hatte die Not nach Frankreich getrieben. Der Vater war Bergmann und silikosekrank. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs erzog er seine Kinder im Sinne seiner sozialistischen Ideale. Mit 14 Jahren trat Lise London in den kommunistischen Jugendverband ein und übte erste Funktionen aus. Im April 1934 ging sie in die Sowjetunion und arbeitete im Büro der KOMINTERN. In Moskau lernte sie den tschechischen Kommunisten Arthur London kennen. Im September 1936 entschlossen sich beide zur Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg. Bis zum Juli 1938 arbeitete Lise London im Hauptquartier der Internationalen Brigaden in Albacéte. Danach ging sie zurück nach Paris. Im November 1938 bekam sie ihr erstes Kind, Françoise.
Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht schloss sich Lise London der Résistance an und wurde eine der Führerinnen des Frauenwiderstandes in der Region Ile-de-France. Im August 1942 rief sie während einer Demonstration im Zentrum von Paris zum bewaffneten Aufstand auf. Sie wurde verhaftet und am 15. Juli 1943 vom französischen Staatsgericht zum Tode verurteilt. Da sie ihr zweites Kind – den Sohn Gérard – am 3. April 1943 im Zuchthaus zur Welt gebracht hat, begnadigte man sie zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und lieferte sie an die Deutschen aus. Im Mai 1944 wurde sie in das KZ Ravensbrück deportiert. Da sich auch ihr Mann im KZ befindet, nehmen die Großeltern, bei denen bereits die 5-jährige Tochter lebt, das Baby auf.
Am 21. Juli 1944 überführte die SS Lise London in das Außenkommando Hasag Leipzig, das ab September zum KZ Buchenwald gehörte. Sie wurde als „Stubowa“ im Französinnenblock eingesetzt. Diese Funktion nutzte sie, um den Kameradinnen im Lager kleine Erleichterungen zu verschaffen und ihren Überlebens- und Widerstandswillen zu stärken. Während des Evakuierungsmarsches, der am 13. April 1945 beginnt, floh Lise London mit einigen Kameradinnen. Am 8. Mai 1945 trafen die Frauen auf amerikanische Soldaten. Wenige Tage später kehrten sie mit einem Kriegsgefangenentransport nach Paris zurück.
Nach ihrer Befreiung wurde Lise London Sekretärin der Französischen Frauenunion. 1949 ging sie mit ihren Kindern nach Prag, wo ihr Mann, Arthur London, Stellvertreter des Außenministers geworden war. 1950 brachte sie ihr drittes Kind, Michel, zur Welt. Im Januar 1951 wurde ihr Mann verhaftet und im stalinistischen Slánsky-Prozess angeklagt. Als einer von wenigen entging er dem Tod. Die Familie übersiedelte nach Frankreich. 1968 wurde Arthur London rehabilitiert und erhielt von der tschechoslowakischen Regierung den höchsten Staatsorden.
Lise London verfasste die Bücher „Le Printemps des Camarades“ und „Souvenirs de Résistance – La Mégère de la Rue Daguerre“ sowie Co-Autorin von „L’aveu“.
Für ihre Verdienste wurden Lise London der Offiziersgrad der französischen Ehrenlegion und die spanische Ehrenbürgerschaft verliehen.