Foto: Peter Hansen

Ottomar Rothmann erhielt die Ehrenbügerwürde der Stadt Weimar

Während der Gedenkveranstaltung anlässlich des 66. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald im April 2011 war auf dem ehemaligen Appellplatz seine kraftvolle, feste Stimme zu hören; in der Gedenkstätte ist er ebenso geschätzt als ruhiger, geduldiger Erzähler, den die viel Jüngeren verstehen, weil er auch ein Ohr für sie hat. Ottomar Rothmann kann über ein Jahrhundert berichten, das er nicht aus der Zuschauerloge erlebte.
Am 6. Dezember 1921 wurde er in Magdeburg geboren. Sein Vater: ein kleiner Angestellter, Sozialdemokrat und leidenschaftlicher Verteidiger der ungeliebten Weimarer Republik; seine Mutter: voll beschäftigt mit der Bewältigung der täglichen Not und der Fürsorge für acht Kinder; Ottomar Rothmann und seine Geschwister: früh organisiert in der sozialistischen Jugend.
Die Ehe zerbrach, die Familie lebte von der Wohlfahrt, aber sie passte sich nicht an, als die Nationalsozialisten zur Macht kamen. Bei einem Kaufmann im Magdeburger Arbeiterviertel ging Ottomar Rothmann in die Lehre. Nun galt er als "jüdischer Mischling", die Gestapo hatte ein Auge auf die Familie. Trotzdem holte er 1942 seinen alten Kinder-Druckkasten hervor und stempelte Zettel, die er während der Verdunklung an Haustüren und Holzplanken klebte, Zettel gegen Hitlers Krieg.
Am 30. Januar 1943 nahm ihn die Polizei zuhause fest. Er gestand nichts und sie konnten ihm nichts nachweisen, doch allein der Verdacht brachte ihn im Juli 1943 in das Konzentrationslager Buchenwald. Kommunisten wie sein Blockschreiber Otto Storch halfen ihm zu überleben, bezogen ihn ein in ihre illegale Arbeit und banden ihn schließlich schon Anfang 1945 in die konspirative Widerstandsorganisation ein.
Bei der Befreiung Buchenwalds am 11. April 1945 war Ottomar Rothmann 23 Jahre alt. Sofort half er mit, das zivile Leben in Thüringen neu zu organisieren: zunächst beim Aufbau der Polizei in Weimar, später im Landwirtschaftsministerium, bei der Deutschen Notenbank, der Lebensmittelversorgung und im Konsum-Genossenschaftsverband des Bezirkes Erfurt.
Im November 1974 kehrte Ottomar Rothmann auf Bitten seines ehemaligen Mithäftlings Klaus Trostorff, inzwischen Direktor der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, auf den Ettersberg zurück, um eine pädagogische Abteilung aufzubauen. Er blieb bis zum Eintritt ins Rentenalter. Zwölf Jahre strukturierte und leitete er die pädagogische Arbeit der Gedenkstätte.
Noch heute ist Ottomar Rothmann ein geschätzter Gesprächspartner. Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht seine Erlebnisse und Erfahrungen weitergibt. Darüber hinaus ist er als Mitglied des Häftlingsbeirates KZ Buchenwald noch immer in die Arbeit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora eingebunden.