Alexander Michailowitsch Agafonow, 1920 - 23. Dezember 2009. Foto: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Trauer um Alexander Agafonow

Alexander Michailowitsch Agafonow

geboren 1920 auf der Krim - verstorben 23. Dezember 2009 in Paris

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora trauern um einen Freund und Begleiter.

Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Alexander Agafonow wird 1920 auf der Krim geboren und wächst in Belgrad auf. Nach dem Einmarsch der Deutschen kommt er 1941 in Gefangenschaft, kann fliehen und schließt sich einer französischen Widerstandsgruppe an. Diese schickt ihn nach Berlin, wo er sich an Sabotageaktionen gegen die deutsche Rüstungsindustrie beteiligen soll. Er wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Seine Gruppe befreit ihn, doch 1944 nehmen ihn die Deutschen in Paris fest und bringen ihn ins KZ Buchenwald. Im November gelingt ihm die Flucht von einem Arbeitskommando in Köln. Die letzten Kriegsmonate verbringt er mit einer kleinen bewaffneten Gruppe gleichfalls entflohener junger Russen in den zerstörten Kellern des zerbombten Köln. Auf dem Gelände des im April 1945 befreiten KZ Buchenwald richtet im August 1945 der NKWD das "Speziallager Nr. 2" zur Internierung von vermeintlich oder tatsächlich belasteten Deutschen ein. Durch den sowjetischen Geheimdienst kommt Alexander Agafonow erneut nach Buchenwald und wird als Lagerältester im "Speziallager Nr. 2" eingesetzt. Wegen angeblicher Spionage wird er in die Sowjetunion gebracht und dort von 1946 bis 1954 in einem Lager des Gulag inhaftiert und erst im Zuge der Amnestie nach Stalins Tod entlassen. Danach studierte er und wurde Lehrer in Sewastopol. Jahrelang kämpfte er in der Sowjetunion um seine Rehabilitierung, bis er sie 1973 erhielt. 1990 ließ er sich in Frankreich nieder.