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Stéphane Hessel mit Mickiewicz-Preis geehrt

Am 29. August wurde Stéphane Hessel, Buchenwald und Dora-Überlebender, langjähriger UNO-Mitarbeiter und Ambassadeur de France, mit dem Adam-Mickiewicz-Preis 2009 des Weimarer Dreiecks geehrt. Wegen des großen öffentlichen Interesses fand die Preisverleihung im Festsaal der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar statt. Dort wurde der Preis neben Hessel auch an Dr. Freya Gräfin von Moltke, Ehrenvorsitzende der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, und Prof. Dr. Zdzisław Najder, Gründungspräsident des Klub Weimarski in Warschau, verliehen.

Zur Biographie von Stéphane Hessel

Am 20. Oktober 1917 wurde Stéphane Hessel in Berlin geboren. Der Vater war Schriftsteller, die Mutter Journalistin. Stéphane Hessel wuchs im Kreise von Intellektuellen und Künstlern auf. 1925 zog er mit seiner Familie nach Paris. Dort ging die Mutter eine leidenschaftliche Beziehung zu Henrie-Pierre Roché ein, die Vorbild für den Roman und Filmklassiker „Jules et Jim“ wurde. Auf das Abitur 1933 folgten Studien der Philosophie und Politikwissenschaft an der London School of Economics, der Pariser Sorbonne und der der École normale supérieure.

Im Herbst 1939 wurde Stéphane Hessel, der zwei Jahre zuvor die französische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, als französischer Offiziersanwärter zum Kriegseinsatz mobilisiert. Er geriet in deutsche Gefangenschaft, aus der ihm die Flucht nach Montpellier gelang. Illegal kam er über Casablanca und Lissabon nach London. Dort begann er 1940 im Stab von General de Gaulle im Widerstand gegen deutsche Besatzung und französische Kollaboration zu arbeiten und wurde ab Sommer 1941 zum Navigator bei der Royal Air Force ausgebildet. Bis 1943 stand er im Stabsdienst des Londoner Verbindungsbüros zur innerfranzösischen Resistánce. Im März 1944 begann sein geheimer Einsatz zur Neuorganisation des Funknetzes der Resistánce in Paris, Deckname „Mission Greco“.

Im Juli 1944 verraten, wurde Stéphane Hessel in Paris von der Gestapo verhaftet. Nach wochenlangen Verhören folgte die Deportation in das Konzentrationslager Buchenwald, wo er gemeinsam mit 36 weiteren Männern am 17. August 1944 ankam. Bereits innerhalb der ersten zwei Wochen wurden 16 dieser Männer exekutiert, den übrigen stand die Ermordung bevor. Am 20. Oktober 1944 gelang es mit Hilfe des Lagerwiderstands, Stéphane Hessel die Identität eines an Typhus verstorbenen Mithäftlings zu übertragen. Anschließend wurde er in das Außenlager Rottleberode überstellt, wo er in der Häftlingsverwaltung tätig war. Anfang Februar 1945 gelang ihm die Flucht aus dem Lager, er wurde jedoch gefasst und in das KZ Mittelbau-Dora eingeliefert. Nach der Haft und Folterung im „Bunker“ musste Stéphane Hessel im Strafkommando arbeiten. Am 4. April 1945 kam er auf einen Evakuierungstransport in Richtung Lüneburg, von dem ihm erneut die Flucht gelang. Nach mehrtägigem Fußmarsch erreichte er Einheiten der US-Armee, denen er sich anschloss und den Kampf für die Befreiung Deutschlands fortsetzte. Kurz vor der Kapitulation des Deutschen Reiches geriet er noch einmal in die Gefangenschaft von SS-Angehörigen, die er zur Aufgabe bewegen und zu den amerikanischen Truppen locken konnte.

Am 8. Mai 1945 nach Paris zurückgekehrt, war Stéphane Hessel seit Februar 1946 in New York für die UNO tätig. In der Kommission für Menschenrechte an der Redaktion der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt, nahm er auch bei ihrer Verabschiedung am 10. Dezember 1948 in Paris teil. Von 1946 bis 1981 arbeitete er in verschiedenen Bereichen und Kommissionen der UNO, als französischer Diplomat und im Außenministerium Frankreichs.

Verstärkt seit den 1980er Jahren bereiste Stéphane Hessel ganz Europa, um für Zeitzeugengespräche und Begegnungen zur Verfügung zu stehen und seine Botschaft weiterzutragen. Entwicklungshilfe, Demokratie und Menschenrechte gehören bis heute zu den Themen, die ihm besonders am Herzen liegen. In den 1990er Jahren unterstütze er beispielsweise als Sprecher des Collège des Mediateurs die Bewegung der „sans-papiers“ (Migranten ohne gültige Ausweispapiere) in Frankreich. Heute lebt Stéphane Hessel in Paris und in der Normandie.

Für sein Lebenswerk erhielt Stéphane Hessel bereits zahlreiche Ehrungen und Preise. So wurde er u.a. zum „Ambassadeur de France“ ernannt, erhielt den Bilbao-Preis für Menschenrechte der UNESCO und den Eugen-Kogon-Preis der Stadt Königstein.