Robert Jehoshua Büchler, 1. Januar 1929 - 14. August 2009. Foto: Juliane Werner

Trauer um Robert Jehoshua Büchler (1929-2009)

Israelischer Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos verstorben.

Am 14. August 2009 ist im Alter von 80 Jahren in Lahavot Haviva (Israel) Robert Jehoshua Büchler verstorben.

Robert Jehoshua Büchler war
Historiker, Archivdirektor, Friedensaktivist, unermüdlicher Streiter für die Erinnerung an die Kinder des Kleinen Lagers im KZ Buchenwald
Mitglied des Beirats KZ Buchenwald der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos
Träger des Thüringer Verdienstordens

Er hat als junger Mensch die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt und sein Leben nach der Befreiung der Friedensarbeit und der Erinnerung an die Shoah und ihre Opfer gewidmet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora trauern um einen engen Freund, Ideengeber und Begleiter.

Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Zur Biographie von Robert Jehoschua Büchler

Robert Büchler wurde am 1. Januar 1929 in der westslowakischen Stadt Topoľčany geboren. 1944 wurde er zusammen mit seiner Familie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Mutter und Schwester sah er nach der Ankunft bei der Selektion zum letzten Mal. Weil sich der damals 15jährige Junge älter gab, als er war, entging er der unmittelbaren Ermordung durch Giftgas und musste in verschiedenen Kommandos Zwangsarbeit leisten. Während der Räumung von Auschwitz auf Todesmarsch geschickt, erreichte Robert Büchler am 23. Januar 1945 mit einem Transport im offenen Güterwagen das KZ Buchenwald. Dort wurde er mit Hunderten Kindern und Jugendlichen im so genannten Kinderblock 66 im "Kleinen Lager" untergebracht. Die Insassen dieses Blocks mussten nicht mehr arbeiten und wurden auch nicht gezwungen, an den gefürchteten Appellen teilzunehmen. Noch am 10. April 1945 wurde Robert Büchler von der SS wieder auf einen Todesmarsch aus dem Lager getrieben. Drei Tage später gelang ihm bei Eisenberg die Flucht.

Nach der Befreiung kehrte Robert Büchler zunächst in seine Heimatstadt Topoľčany zurück. Die Shoah hatten von seiner Familie nur eine Tante und ein Onkel überlebt. Sie nahmen Robert Büchler zeitweise auf. 1949 wanderte er nach Israel aus und gründete mit rund 100 Jugendlichen, die fast alle in Konzentrationslager verschleppt worden waren, den Kibbuz "Lahavot Haviva", wo er mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Herz eine Familie gründete. Im Kibbuz war Robert Büchler zunächst als Bauarbeiter, dann in der Landwirtschaft tätig. Anschließend erlernte er den Beruf des Schreiners, den er mehr als 20 Jahre lang ausübte.

Nach dem Ende der Aufbauphase des Kibbuz studierte Robert Büchler in Tel Aviv und Jerusalem Geschichte, Jüdische Zeitgeschichte und Judaistik. Seitdem arbeitete er vorwiegend in den "Moreshet Archives" des "Givat Haviva Institutes", einem großen Dokumentations-, Forschungs- und Unterrichtszentrum über Holocaust und Widerstand. Dort war er als Direktor des Forschungsinstituts und des Archivs insbesondere mit der Erforschung und Dokumentation der Shoah befasst. Robert Büchler verfasste zahlreiche Aufsätze über seine Erlebnisse sowie Forschungsarbeiten über die Geschichte der europäischen Juden. Bereits 1976 erschien seine Studie über die "Geschichte und das Schicksal der Jüdischen Gemeinde Topoľčany". 1984 folgte seine "Kurze Übersicht der jüdischen Geschichte in dem Gebiet der Slowakei". Er arbeitete mehrfach an Ausgaben der von Wolfgang Benz und Barbara Distel herausgegebenen "Dachauer Heften" mit.

Robert Büchlers Lebenswerk ist die Geschichte des Kinderblocks 66 im KZ Buchenwald und von dessen Insassen. Bereits Mitte der achtziger Jahre nahm er diesbezüglich Kontakt zur damaligen Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald auf, die der Geschichte des Kleinen Lagers jahrzehntelang wenig Beachtung geschenkt hatte. Noch vor dem Zusammenbruch der DDR stellte Robert Büchler dem Archiv der Gedenkstätte seinen Erinnerungsbericht zum Block 66 zur Verfügung – den ersten überhaupt zu diesem Thema. Bis zuletzt recherchierte Robert Büchler weltweit nach ehemaligen Mithäftlingen aus diesem Block. In Israel organisierte er mehrere Treffen Überlebender.
Daneben war Robert Büchler in nationalen und internationalen Organisationen aktiv. Viele Jahre lang engagiert er sich im "Public Commitee of Auschwitz Survivors" und in der Friedensbewegung "Peace Now". Seit 1995 war er Mitglied des Häftlingsbeirats der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Bis zu seinem Tod war er das dienstälteste Mitglied des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, dem er seit Anfang der sechziger Jahre angehörte.

Am 8. April 2009 wurde Robert Büchler für seine lebenslange Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit mit dem Verdienstorden des Freistaats Thüringen geehrt.

Kondolenz des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

Der Zentralrat und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma trauern um Herrn Robert Jehoshua Büchler. Für seine Verdienste um die deutsche und internationale Erinnerungsarbeit gebühren ihm Dank und Anerkennung. Als Überlebender der nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald hat es sich Robert Büchler zeitlebens zur Aufgabe gemacht, an die nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern und vor allem junge Menschen über die Ursachen, Wirkungen und Gefahren der NS-Ideologie aufzuklären. In seinen öffentlichen Vorträgen und Schriften hat er immer wieder auch auf den Holocaust an den Sinti und Roma hingewiesen. Die Würdigung aller Opfer der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen war ihm ebenso wie sein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit stets ein wichtiges Anliegen. Seine persönliche Lebens- und Leidenserfahrung prägte auch seine spätere erinnerungspolitische und wissenschaftliche Arbeit, in der er wichtige Beiträge zur Erforschung und Dokumentation des Holocaust schuf. In besonders guter Erinnerung werden uns seine liebenswürdige menschliche Wärme bleiben, die von Bescheidenheit, einem hohen Maß an Verantwortung und moralischer Glaubwürdigkeit geprägt waren. Gerade auch diese persönlichen Eigenschaften verliehen ihm allseits Respekt und Sympathie. Wir werden Robert Büchler ein ehrendes Andenken bewahren.

Heidelberg, den 19. August 2009
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.