Ölgemälde für die Kunstsammlung

Schenkung des Bildes "Carl von Ossietzky" aus dem Nachlass der Künstlerin Ingeborg Weigand Die Kunstsammlung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora erhielt eine Schenkung aus dem Nachlass der 1995 in Schwifting (Bayern) verstorbenen Künstlerin Ingeborg Weigand.


Es handelt sich um ein großformatiges Ölbild mit dem Titel "Carl von Ossietzky", das im Rahmen eines Gemäldezyklus zu Themen nationalsozialistischer Verfolgung entstand. Die Malerin hat bei ihrer Arbeit an dem Bild auf eine 1935 im KZ Esterwegen entstandene Fotografie zurückgegriffen, die den Herausgeber der "Weltbühne" und späteren Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky – Häftling Nr. 562 - im Moorlager Esterwegen vor einem uniformierten SS-Mann stehend zeigt. Details der Situation (die das Foto liefert) auslassend, hat sie die Bildaussage auf die Darstellung des geschundenen Intellektuellen, die zerstörerische Konfrontation des einzelnen mit brutaler Macht konzentriert. Das Bild zeigt den schwer misshandelten Schriftsteller, die Qual der Folter ist Gesicht und Haltung Carl von Ossietzkys eingeschrieben. Im Schriftsteller erinnert die Malerin auch an ihren Vater, den Antifaschisten Max Sellwig, und dessen Erfahrung im KZ Esterwegen: "Es ist nicht möglich, (...) sich aus dieser tiefsten Erniedrigung, in die dich eine Folterung versetzt, wieder zu erheben. Du bringst den Kopf nicht mehr hoch und den kalten Hass, den wirst du nie mehr los, nie mehr." ("Orangen auf dem Gefängnishof")

Der Journalist und Herausgeber der Zeitschrift "Die Weltbühne" Carl von Ossietzky (1889-1938) wurde wegen seiner Enthüllungen über die geheime Aufrüstung der Reichswehr verfolgt, nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 verhaftet und nach Gefängnis und Zuchthaus ins Moorlager Esterwegen bei Papenburg eingeliefert. Im November 1936 wurde ihm der Friedensnobelpreis zuerkannt, den er aufgrund der NS-Repression nicht entgegennehmen durfte. Er starb am 4. Mai 1938 an den Folgen der KZ-Haft.

Die Malerin Ingeborg Weigand wurde am 10. Februar 1920 in Hannover geboren. Sie wuchs in Düsseldorf auf. Ihre Familie wurde nach der Errichtung der NS-Diktatur politisch verfolgt. Ihr Vater Max Sellwig war politischer Häftling in den Moorlagern im Emsland, er überlebte schwer gezeichnet die Haft. Dieser Umstand prägte tief die Entwicklung der Heranwachsenden. Ihre künstlerische Ausbildung erwarb sie an der Textil- und Werbeschule in Krefeld, an einer Mal- und Zeichenschule in Düsseldorf und an der Akademie der Künste in München. Heirat und die Geburt eines Kindes, später eines zweiten Kindes folgten.
1967 nahm sie eine Lehrtätigkeit an einer Münchener Kunstschule auf, 1972 gründete sie ein Mal- und Zeichenstudio für Frauen. Unter dem Namen Franziska Sellwig schrieb sie Gedichte und Prosa, darunter den von Luise Rinser und Elfriede Jellinek hochgeschätzten autobiografischen Text "Orangen auf dem Gefängnishof. Prosa" (1979) über "eine antifaschistische Jugend in der Hitlerzeit" (Hilde Domin).