"Souvenir de ma campagne à Corrèze après 50 km!!!" ("Erinnerung an meinen Landaufenthalt in Corrèze / nach 50 km"). Tuschezeichnung mit Farbstift auf Papier (13,7 x 9,3 cm). (Ausschnitt)

Wertvolle Zeichnungen aus dem Nachlass von Paul Goyard übergeben

Die Kunstsammlung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat einen bedeutenden Zuwachs verzeichnet: Der belgische Maler José Fosty übergab 125 Zeichnungen sowie Dokumente und Korrespondenz aus dem Nachlass des Pariser Bühnenbildners Paul Goyard (1886-1980), einem ehemaligen Häftling des KZ Buchenwald. Fosty ist selbst Überlebender des KZ Buchenwald, er war eng mit Goyard befreundet.   Die Schenkung ergänzt den in der Kunstsammlung vorhandenen Bestand von 300 Skizzen, Studien und Entwürfen Goyards: Lageransichten, Beobachtungen des KZ-Alltags, der Menschen. Die neu hinzugekommenen Zeichnungen entstammen verschiedenen Lebensphasen. Es sind Arbeiten aus dem Ersten Weltkrieg sowie aus den Jahren danach, in denen Goyard in Brüssel lebte und aus der Zeit unmittelbar nach der Rückkehr aus dem KZ Buchenwald nach Paris.

Ein wichtiger Bestandteil der Schenkung – und der mit 78 Blättern größte Teil – stellen Tusche- und Bleistiftzeichnungen mit Beobachtungen des Alltags in der französischen Armee im Ersten Weltkrieg dar: kriegskritische Darstellungen von Soldaten in Unterständen, Laufgräben und im Frontlazarett, schnell gezeichnete Skizzen, Notizen und Karikaturen. Auch eine Feldpostkarte mit einer Zeichnung Goyards ist erhalten.

Bedeutsam für die Erschließung der Werkgeschichte und Biografie des Künstlers ist zudem ein Programmheft zum Theaterstück „Les Races“ für das Goyard das Bühnenbild entwarf. Die französischen Adaption des Stückes „Die Rassen“ des deutsch-österreichischen Dramatikers Ferdinand Bruckner hatte im Mai 1934 in Paris Premiere. Das Stück geißelte den nationalsozialistischen Rassenantisemitismus scharf, die Aufführung war zu einer anti-nationalsozialistischen Kundgebung geworden. Die NS-deutsche Botschaft hatte bei der französischen Regierung gegen das Stück interveniert – doch ohne Erfolg. Es wurde über 100 Mal aufgeführt.

Besonders hervorzuheben sind schließlich ein Dutzend nach der Befreiung entstandene Zeichnungen, Entwürfe und druckgrafische Arbeiten in Kohle, Bleistift und Tusche zu Konzentrationslagerthemen: Studien für ein "Buchenwald-Diorama". Goyard hatte ein solches, zwei auf drei Meter großes dreidimensionales Panorama nach der Rückkehr aus dem Lager geschaffen, um Menschen, die das KZ Buchenwald nicht erlitten hatten, die Lagerwirklichkeit so eindringlich und plastisch wie möglich vor Augen zu führen. In den 1940er- und 1950er-Jahren wurde das Diorama in Ausstellungen von französischen Deportiertenverbänden gezeigt.

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat in den vergangenen Jahren das Werk von Paul Goyard erschlossen und für die pädagogische Arbeit zugänglich gemacht. Ein für die pädagogische Arbeit mit Kunst speziell ausgestatteter "Paul Goyard Raum" in der neu eröffneten Internationalen Jugendbegegnungsstätte Buchenwald ist der Erinnerung an den Pariser Bühnenbildner gewidmet.

Paul Goyard wurde am 28. Dezember 1886 in Digoin in der Bourgogne geboren und wuchs in den bescheidenen Verhältnissen einer Schuhmacher-Familie auf. Aus dem Ersten Weltkrieg, den er als Frontkämpfer erlebt, kehrte er mit einer Knieverletzung zurück. 1919 arbeitet er in Brüssel in einem Ausstattungsatelier, das Dekors für das Theater anfertigte, bis er nach einiger Zeit in Paris eine eigene Werkstatt für Theaterdekors einrichtete. Für Demonstrationen der kommunistischen Partei malte er Plakate und Spruchbänder. Dabei lernte er Künstlerkollegen wie Fernand Léger und Boris Taslitzky kennen. Unter deutscher Besatzung unterstützte Paul Goyard die Résistance, er wurde 1942 verhaftet und über Compiègne am 14. Mai 1944 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Unter dem Schutz des Lagerwiderstandes wechselte er von der Zeltunterkunft in Block 57 des Kleinen Lagers nach Block 40 im Großen Lager. In einer Gruppe französischer und belgischer Künstler und Intellektueller, die sich sonntags in Block 34 trafen - darunter Julien Cain, Christian Pineau, Boris Taslitzky, José Fosty und René Salme - ist ihm Überleben möglich. Nach der Befreiung fand Paul Goyard sein Pariser Atelier zerstört. Er mietete ein kleines Atelier und verwirklichte das Projekt eines Buchenwald-Dioramas mit Unterstützung Fostys. Zur Welt des Theaters fandet er nicht mehr zurück. Paul Goyard starb am 1. März 1980 in Paris.

Weiterführende Hinweise

  • Mit Goyards „Entwurf für ein Diorama des KZ Buchenwald“ wurde im Mai 2007 die Reihe "Bild des Monats" eröffnet.
  • In der ständigen Kunstausstellung "Überlebensmittel - Zeugnis - Kunstwerk - Bildgedächtnis" der Gedenkstätte Buchenwald sind 65 Zeichnungen von Paul Goyard zu sehen.
    Weitere Zeichnungen finden sich in der Edition: Paul Goyard. 100 Zeichnungen aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Herausgegeben von Volkhard Knigge in Zusammenarbeit mit Sonja Staar im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Göttingen 2002.