Paul Neurath

1911 (Wien) - 2001 (New York)

Soziologe

"Als ich ... meine Dissertation über Konzentrationslager verteidigte, meinte Merton ... Hier aber haben wir eine Arbeit vor uns ... aber alles ohne Zahlen als Beleg... Worauf ich mit Betonung antwortete: Dies hier ist eine quantitative Arbeit, bei der nur die Zahlen fehlen, weil ich sie unter den gegebenen Umständen nicht gut zusammenbekommen konnte."



Am 12. September 1911 wird Paul Neurath in Wien geboren. Seine Mutter stirbt bei der Geburt. Sein Vater, Otto Neurath, gehört zum "Wiener Kreis", einer Vereinigung von Philosophen. Paul Neurath wächst zunächst in einem Heim bei Linz auf. Ab 1921 lebt er bei seinem Vater und dessen zweiter Frau. Er studiert Jura, besucht die Wirtschaftsakademie und absolviert Werkmeister-Kurse für Elektrotechnik, Maschinenbau und Gasschweißen. Er versteht sich als Sozialist. 1934 emigrieren die Eltern in die Niederlande. Paul Neurath überlebt mit Gelegenheitsarbeiten.

Am 30. März 1938 wird er verhaftet und am 1. April mit dem ersten Transport von Österreichern in das KZ Dachau deportiert. Im September 1938 kommt er nach Buchenwald, dort lernt er Ernst Federn und Bruno Bettelheim kennen. Für Mithäftlinge rezitiert er Gedichte von Hans Christian Morgenstern. Am 27. Mai 1939 wird Paul Neurath entlassen und emigriert nach Schweden.

Ab Juni 1941 studiert er in New York durch Vemittlung des Soziologen Paul Lazarfeld Soziologie, 1943 Dissertation "Social Life in the German Concentration Camps Dachau und Buchenwald" (1951 gedruckt). Seit 1943 Lehrtätigkeit in Soziologie und Statistik am City College Downtown, ab 1946 am Queens-College in New York und anderen Colleges. 1955-1957 Fulbright-Professor in Bombay und Neu Delhi in einem UNESCO Projekt zur innovativen Wirkung von Radio-Lernprogrammen in der Landwirtschaft Indiens. 1959-1960 an der Universität, 1971-1972 und 1978-1979 Universität Wien, Aufbau des Paul Lazarfeld-Archivs. Veröffentlichungen zur Soziologie des KZ, zur Geschichte der Soziologie, speziell zum Wiener Kreis der empirisch-positivistischen Philosophie und zu Entwicklungshilfe-Projekten in Indien. Er lehrt an den Universitäten Wien und New York.

Paul Neurath stirbt am 3. September 2001 in New York.