Elisa, 17 Jahre

GEMINI-Projekt „Empowered by Democracy“, Arbeit und Leben Thüringen, Juli 2017

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald weht ein rauer, kalter Wind. Der erste Eindruck wird geprägt durch die weite Leere, die sich vor dem Auge des Betrachters erstreckt. Es ist ein bewegter Ort, seine Geschichte erzählt von Leid und Hoffnung, zu oft auch von Hoffnungslosigkeit. Tagtäglich suchen Menschen das Gelände als Mahnmal auf – als Erinnerung an eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Steine werden auf die Gedenkplatten gelegt, ein jüdischer Brauch, um den Verstorbenen zu ehren. Die Mienen sind ernst und andächtig, der Gang ist langsam; Vereinzelte haben Tränen in den Augen. Und doch ist Buchenwald kein toter Ort, das Leben besiegt die Mauern und Steine; Pflanzen ersetzen die damaligen Plätze des Terrors. Der alte Stacheldrahtzaun lagert längst in einem Karton, verstaut in der verschlossenen Krankenbaracke; ein Eindruck des vergangenen Schreckens wird durch einen neuen Drahtzaun ohne Strom vermittelt. An der Innenseite des Tores des Krematoriums, ein Ort, den die meisten Gefangenen nicht lebend erreichten, befindet sich heute ein Schild mit der Aufschrift „Ausgang. Exit“ – ein eigenartiger Beigeschmack für einen solchen Platz. Es gibt drastische Veränderungen und doch zeugen die vorliegenden Bruchteile der Vergangenheit von der Gewalttätigkeit, die nicht weit von Weimar vollzogen wurde. Um zu verhindern, dass der Satz des Romanisten Victor Klemperer: „Wieder ist erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht.“ noch einmal zur Wirklichkeit wird, muss der Menschheit immer wieder ein Spiegel vorgehalten werden. Allein Passivität kann zur Erduldung von Ungerechtigkeit führen. Buchenwald muss erinnern. Es muss aufwecken. Immer wieder.