Antje V. K.

Heilig Hartinstituut, Heverlee (Belgien), März 2017

11. April 1945, Schreie vor Freude, Freiheit und Erlösung erklingen auf dem Ettersberg. „Through fight and death“ macht einen ersten Schritt in Richtung ‚Victory‘.

Kinder, Juden, Zeugen Jehovas, Kommunisten und andere politische Gegner sehen das Licht und spüren die Hoffnung. Befreit von Misshandlung und Missachtung wandeln diese Menschen ungehindert, verloren, glücklich, aber verwirrt einer neuen Zukunft entgegen.

Eine Zukunft, die zu Änderung bereit ist? Eine Zukunft, in der Liebe erneut einen Platz bekommt? Eine Zukunft, die sich füllt mit Familienwärme? Eine Zukunft mit einem friedliebenden Leiter?

Was wissen sie!? Sie, die Minderwertigen der Vergangenheit, die Helden des Augenblicks, die Unwissenden desjenigen, was kommen wird. Diese Überlebenden werden kämpfen um ein gerechtes Dasein, denn „Jedem das Seine“ haben sie noch nicht vergessen.

„Die Geschichte wiederholt sich“ sind Worte, die euch bekannt in den Ohren klingen. Ich glaube nicht, dass die Geschichte sich wiederholen kann. Aber ich glaube schon, dass manche Menschen bestimmte Fehler wiederholen, weil diese Fehler einfach zu komplex sind, um vollständig verstanden zu werden.

Ich denke nicht, dass wir diese Gräuel verstehen können, oder überhaupt in die Nähe des Verstehens kommen können. Gestern habe ich oft gehört: “Allez, da verstaat ge toch ni” („Na ja, so etwas versteht man doch nicht“). Und nein, wir verstehen es nicht und das ist nur gut so, denke ich dann.

Es gibt nichts zu rechtfertigen oder zu billigen. Aber machen wir bitte nicht denselben Fehler, diese unfassbaren, jedoch menschlichen Fehltritte aus der Vergangenheit so schwarzzumalen, dass wir uns mitschleifen lassen in einer Flut von Hass und Abscheu. Denn so entsteht Unverständnis, so entstehen Konflikte und werden Fehler begangen. Fehler, die dann 70 Jahre später unfassbar genannt werden und weshalb wir uns fragen, wie es um Gottes Willen so weit kommen konnte.

Manche Weltleiter werden verehrt, andere gehasst. Unabhängig davon sollten wir unsere Entscheidungen nicht beeinflussen lassen von Worten, die von nur einem Mann ausgespien wurden! (Und dem Volk auferlegt werden.)

Ich denke, dass wir von Glück reden können, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo dieses nicht gilt.  Wir kennen Freiheit, erfahren das Leben so wie wir es wollen, und wir können Entscheidungen treffen, die nicht nur unserem eigenen Leben, sondern auch dem Leben der Anderen Sinn geben. Das war damals anders.

Ich schrieb über Buchenwald. Ich schrieb über euch und über mich. Ich schreibe, weil Unverständnis in all seinen Formen mich berührt. Ich schreibe, weil ich die richtigen Wörter noch immer nicht gefunden habe. Ich will nicht predigen und möchte keine Botschaft überbringen, denn ich weiß, dass ihr alle vernünftige Wesen seid, die diese Wörter genauso wie ich hätten aufschreiben können. Ich mag es zu schreiben. Ich schreibe über das, worüber man nicht schweigen darf.

Übersetzung aus dem Belgischen von Joke Bellen