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Kinder und Jugendliche im KZ Buchenwald

Im letzten Kriegsjahr brachte die SS zahlreiche jüdische, russische, ukrainische oder polnische Jugendliche aus den Vernichtungszentren und Zwangsarbeiterlagern im Osten nach Buchenwald. Im Dezember 1944 war jeder dritte Insasse des Lagers jünger als 21 Jahre; doppelt so hoch war der Anteil Jugendlicher und Kinder in den Frauenaußenlagern. Meist waren ihre Familien ermordet und ihr Zuhause zerstört worden. Wie bei den Erwachsenen hing auch ihr Überleben davon ab, ob sie Zwangsarbeit leisten konnten. Im "Roman eines Schicksalslosen" schreibt Imre Kertész davon.

Häftlingspersonalfoto von Samu Berkovics (Haft-Nr. 59757), der mit einem Transport ungarischer Juden aus Auschwitz ins Konzentrationslager Buchenwald kam. | Erkennungsdienst KZ Buchenwald, 24. Juni 1944 | Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Hunderte von jugendlichen Juden, Sinti und Roma schickte die SS als "nicht arbeitsfähig" mit Todestransporten nach Auschwitz. 1.600 Jugendliche und Kinder starben in Buchenwald an Entkräftung oder Krankheiten, wurden erschlagen oder erschossen.

Drei befreite Kinder stehen mit einem älteren Häftling an einem Stacheldrahtzaun des Kleinen Lagers. | U.S. Signal Corps, nach dem 11. April 1945 | National Archives, Washington

Seit Mitte 1944 kamen aus geräumten Lagern im Osten auch Kinder nach Buchenwald. Der Jüngste war zweieinhalb Jahre alt. Ohne Schutz hätten sie keine Überlebenschance gehabt. Sie erhielten Hilfe. Schon im Herbst 1939 hatten politische Häftlinge um den Kommunisten Robert Siewert mit der Einrichtung einer "Maurerschule" polnische Jugendliche vor dem Tod bewahrt. Im Juli 1943 entstand auf ihr Betreiben in Baracke 8 ein Asyl für 160 polnische, russische und ukrainische Jugendliche des Lagers. Viele von ihnen, in den letzten Monaten auch jüdische Kinder und Jugendliche, konnten dort unter besseren Bedingungen überleben; unter ihnen der spätere Oberrabbiner von Israel Meir Lau. Die beiden kommunistischen Blockältesten, Franz Leitner und Wilhelm Hammann, wurden in Israel als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Einer der jüngsten Überlebenden war Stefan Jerzy Zweig, dessen Rettung später zum Roman und zur Legende wurde: "Nackt unter Wölfen" von Bruno Apitz.

Zwei befreite Häftlinge mit Stefan Jerzy Zweig vor den ehemaligen SS-Kasernen | Hugh D. Steffy, 120th Evacuation Hospital, nach dem 15. April 1945 | Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Im Januar 1945 erwirkten politische Häftlinge bei der SS ein weiteres Asyl für die mit Massentransporten eintreffenden Jugendlichen, die Baracke 66 im Kleinen Lager. Hier fanden insbesondere jüdische Jugendliche Zuflucht, darunter der spätere Nobelpreisträger Elie Wiesel und der spätere Historiker ihrer Geschichte, Robert Büchler. Am 5. April 1945 hatte die Baracke 900 Insassen. Anfang April 1945, als die SS mit der Evakuierung des Lagers begann, sollte auch Baracke 66 geräumt werden. Obwohl die Häftlinge sich in jeder Weise zu entziehen versuchten, mussten viele von ihnen noch auf Todesmärsche gehen.

Befreite Jugendliche nach der ersten medizinischen Versorgung durch das 120. Evacuation Hospital. | Byron H. Rollins, 21. April 1945 | AP/Wide World Photos, New York

Zum Zeitpunkt der Befreiung des KZ Buchenwald am frühen Nachmittag des 11. April waren unter den 21.000 im Lager verbliebenen Häftlingen noch 904 Kinder und Jugendliche. Ihnen galt die besondere Fürsorge des Internationalen Lagerkomitees und der Angehörigen der US-Armee. Amerikanische und französische Stellen sorgten dafür, dass bis zum Sommer 1945 viele von ihnen in Fürsorge kamen oder in Heimen aufgenommen wurden. Heute leben überall auf der Welt frühere Insassen der Baracke 66.

Janek Szlajtsztajn, eines der befreiten Kinder, auf einem Lastwagen der UNRRA kurz vor der Abreise in ein Schweizer Kinderheim. | George A. Haynia, U.S. Signal Corps, 19. Juni 1945 | National Archives, Washington

Befreite Jugendliche auf dem Weimarer Hauptbahnhof im Waggon eines Zuges nach Ecoui. Josek Dziubak (Haft-Nr. 119431) bringt mit Kreide auf der Waggonwand die Aufschrift an: "Wo sind unsere Eltern? Ihr Mörder". | Fotograf unbekannt, 1. Juni 1945 |Sammlung Gedenkstätte Buchenwald