Gedenkplatz vor dem ehemaligen Krematorium. Foto: Claus Bach

Historischer Überblick zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora

Ab 1942/43 mussten immer mehr KZ-Häftlinge Zwangsarbeit für die deutsche Kriegswirtschaft leisten. Das KZ Mittelbau-Dora war das letzte von den Nationalsozialisten gegründete KZ-Hauptlager und steht exemplarisch für die mörderische Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie.

August 1943

Rüstungsminister Albert Speer und SS-Chef Heinrich Himmler beschließen, die Produktion der V2-Raketen aus Luftschutzgründen von Peenemünde in ein Stollensystem bei Nordhausen zu verlegen. KZ-Häftlinge müssen die Stollenanlage, die zuvor als Treibstoffdepot diente, zur unterirdischen Raketenfabrik ausbauen. „Dora“ wird am 28. August 1943 als Außenlager des KZ Buchenwald gegründet. In den ersten Monaten müssen die Häftlinge nicht nur im Stollen arbeiten, sondern sind dort auch untergebracht. Bis März 1944 sterben im Stollen fast 3000 Menschen.

Frühjahr 1944

Die Raketenproduktion im Mittelwerk läuft an. Die SS lässt ein oberirdisches Lager errichten, und die Gefangenen ziehen schrittweise in Barackenunterkünfte um. Gleichzeitig beginnen ab März im Südharz die Bauarbeiten für weitere Stollenanlagen, in die Flugzeugfabriken des Junkers-Konzerns verlagert werden sollen. Zur Unterbringung der KZ-Zwangsarbeiter richtet die SS in der Nähe der Baustellen mehrere KZ-Außenlager ein. Die größten Lager befinden sich in Ellrich und Harzungen. Zunächst unterstehen sie noch dem KZ Buchenwald.

Oktober 1944

„Dora“ wird mit den umliegenden Lagern zum eigenständigen KZ Mittelbau zusammen gefasst. Im Frühjahr 1945 umfasst der KZ-Komplex fast 40 Lager, die sich über den gesamten Harz erstrecken.

Januar/Februar 1945

Aus den geräumten Konzentrationslagern Auschwitz und Groß-Rosen verschleppt die SS 15.000 Häftlinge in das KZ Mittelbau, darunter auch Frauen und Kinder. Tausende sterben an Hunger, Kälte und Erschöpfung.

4./5. April 1945

Als sich die amerikanischen Truppen Nordhausen nähern, lässt die SS die Mittelbau-Lager räumen. Zu Fuß und per Bahn werden die Lagerinsassen in andere Konzentrationslager getrieben. Tausende Häftlinge sterben während dieser Räumungstransporte.

11. April 1945

Amerikanische Soldaten befreien das KZ Mittelbau. Im Hauptlager Dora finden sie nur noch wenige todkranke Häftlinge vor. Für mehr als 1000 Insassen des KZ-Außenlagers Boelcke-Kaserne in Nordhausen kommt jede Hilfe zu spät. Von den insgesamt 60.000 Häftlingen, die von 1943 bis 1945 in den Mittelbau-Lagern inhaftiert waren, haben 20.000 die KZ-Haft nicht überlebt.

Die Geschichte nach 1945

Mai 1945

Die amerikanische Militärverwaltung richtet das Lager Dora als Unterkunft für befreite KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter (Displaced Persons) ein. Mitte Mai 1945 warten hier etwa 14.000 Menschen auf ihre Rückkehr in die Heimat.

Juli 1945

Die sowjetische Armee löst die Amerikaner als Besatzungsmacht in Thüringen ab. "Dora" wird sowjetisches "Repatriierungslager" für befreite Zwangsarbeiter.

Dezember 1945 bis Juli 1946

"Dora" wird Aufnahmelager für deutsche Vertriebene aus der Tschechoslowakei.

Ende 1946

Die Holzbaracken auf dem ehemaligen KZ-Gelände werden abgebaut und in Nordhausen und Umgebung teilweise wieder aufgestellt. Sie dienen als Behelfsunterkünfte oder Lagerräume. Das ehemalige Lagergelände wird zunehmend von der Natur zurückerobert.

1947/48

Die sowjetischen Behörden lassen gemäß alliierter Vereinbarungen zur Demilitarisierung Deutschlands die Stolleneingänge zum ehemaligen Mittelwerk sprengen.

1951

Französische Überlebende besuchen das ehemalige KZ Mittelbau-Dora und fordern die Errichtung eines Mahnmals. Daraufhin wird ein Gedenkstein aufgestellt und die "Ehrenstätte KZ Dora" eingerichtet.

1964

Auf Initiative der SED-Kreisleitung Nordhausen wird mit der Aufstellung einer Plastik des Bildhauers Jürgen von Woyski vor dem ehemaligen Krematorium die "Mahn- und Gedenkstätte Dora" offiziell gegründet.

1974

Der ehemalige Appellplatz auf dem Gedenkstättengelände wird anlässlich des 25. Jahrestages der DDR zum Kundgebungsplatz umgestaltet.

ab 1990

Mit dem Ende der DDR und der deutsch-deutschen Vereinigung beginnt die Arbeit an der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte.

1995

Ein Teil der Stollenanlage wird für den Besucherverkehr geöffnet.

2003

Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora wird in die selbstständige Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora übernommen.

2005

Das neue Museumsgebäude wird eröffnet, in dem seit 2006 eine Dauerausstellung zur Lagergeschichte gezeigt wird.

Das Museumsgebäude beherbergt die Ständige Ausstellung. Foto: Claus Bach