José Fosty 2009 in der Gedenkstätte Buchenwald. Foto: Peter Hansen, SGBuMD

Nachruf

Im Alter von 95 Jahren verstarb am 25. Mai 2015 in Oupeye unser hoch geschätzter Freund José Fosty

Diese Nachricht erfüllt uns mit großer Trauer. Wir werden ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Zum Leben von José Fosty
Am 31. August 1919 wurde José Fosty in der Kleinstadt Dalhem in der Provinz Liège (Lüttich) im wallonischen Landesteil Belgiens geboren. Früh interessierte er sich für das Zeichnen und erhielt an der Hochschule in Saint-Luc bei Liège ersten Unterricht. 1939 wurde er zur Armee eingezogen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien im Mai 1940 verwundet, kam Fosty in ein Hospital in Brüssel; dort konnte er zum ersten Mal eigene Arbeiten ausstellen. Noch gesundheitlich beeinträchtigt, beteiligte er sich in Brüssel am Widerstand gegen die deutsche Besatzung in der Gruppe „Service de Renseignements et Actions de la Résistance“.
Am 11. Oktober 1942 von der Gestapo verhaftet, war José Fosty für zwei Monate zunächst im Gefängnis von Saint-Gilles bei Brüssel und kam Ende 1942 nach Aachen. Von dort wurde er am 19. März 1943 in das KZ Buchenwald deportiert. Hier lernte er den französischen Theaterdekorateur Paul Goyard kennen, der seine menschliche und künstlerische Entwicklung zutiefst prägte. Zusammen mit einem ebenfalls nach Buchenwald verschleppten Studienkollegen aus Brüsseler Tagen unterstützte er Paul Goyard bei der Herstellung von Dekorationen für musikalische und literarische Häftlingszusammenkünfte an Sonntagnachmittagen. In den leidenschaftlichen Diskussionen mit Intellektuellen aller Richtungen und geistig-kultureller Horizonte – Franzosen und Belgiern – formten sich im Lager die künstlerischen Auffassungen des jungen Fosty weiter. Bei der Befreiung nahm er schließlich über 150 Skizzen, den Ertrag sonntäglicher Erkundungen des Schreckensortes, mit sich aus dem Lager; die Kunst war ihm Überlebensmittel geworden.
Unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Lager beteiligte sich José Fosty zunächst an den Entwürfen der Dekorationen für einen Film über die deutschen Konzentrationslager. Mit Goyard lebte und arbeitete er in Paris, bevor er 1949 nach Visé zurückkehrte. Dort wurde er Vater und konnte seine wachsende Familie mit zwei Töchtern über ein Jahrzehnt durch die Herstellung von Holzspielzeug ernähren. Als der Absatz seiner Produkte stagnierte, nahm er eine Brotbeschäftigung bei der Post auf, so dass er nachts Briefe sortierte, um tagsüber malen zu können. Doch erst nach seiner Pensionierung als Postangestellter erfüllte sich Fosty einen lange gehegten Traum: das im Lager geschaffene Oeuvre seines „père spirituel“ Goyard ausschnitthaft in der Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Ausstellung „José Fosty - Ein Künstlerleben“ wurde anlässlich des 90. Geburtstags von José Fosty im Umfeld des 64. Jahrestags der Befreiung vom 5. April bis zum 1. September 2009 in der Kunstausstellung der Gedenkstätte Buchenwald gezeigt. Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie hier