Foto: Bernd Edelmann, Thüringer Staatskanzlei

Ehrung für Günther Pappenheim

Ernennung zum Kommandeur im Nationalorden der Ehrenlegion Frankreichs

Am 27. Januar wurde Günther Pappenheim, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald vom Botschafter Frankreichs Philippe Etienne zum Kommandeur im Nationalorden der Ehrenlegion ernannt. 

Der Stiftungsratsvorsitzende Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Kulturminister und Chef der Staatskanzlei würdigte die Ernennung mit den Worten: "Die Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion ist eine der wichtigsten Ehrungen der Republik Frankreich. Sie verdeutlicht die große Wertschätzung, die Ihnen unser Nachbarland für Ihr jahrzehntelanges Engagement gegen Faschismus und Rassismus entgegenbringt. Sie ist Ausdruck der Hochachtung vor bewahrter Menschlichkeit und Solidarität, die auch dem Druck von allgegenwärtigem Terror und grenzenloser Gewalt standhielt.

Günter Pappenheim wird am 3. August 1925 in Schmalkalden (Thüringen) geboren. Sein Vater Ludwig Pappenheim entstammte einer jüdischen Familie und war Kreis- und Landtagsabgeordneter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sowie Redakteur der Zeitung Volksstimme. Er widersetzte sich von Anfang an dem Nationalsozialismus und wurde bereits 1933 in Schutzhaft genommen und im Konzentrationslager Börgermoor ermordet. 1940 beginnt Günter Pappenheim eine Schlosserlehre in einer Schmalkaldener Werkzeugfabrik. Dort verpflichteten französischen Zwangsarbeitern spielt er im Sommer 1943 an ihrem Nationalfeiertag die Marseillaise auf seiner Ziehharmonika vor. Daraufhin wird er von einem Betriebsangehörigen denunziert, von der Gestapo verhaftet und ins Gefängnis nach Suhl gebracht. Nach fünf Tagen voller Verhöre und Misshandlungen deportiert man ihn ins Arbeitslager Gleichberg bei Römhild. Am 15. Oktober 1943 wird Günter Pappenheim in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert und erhält die Häftlingsnummer 22514. Zunächst kommt er wie alle neu eingelieferten Häftlinge in das sogenannte Kleine Lager und arbeitet in einem Straßenbaukommando. Nach der Quarantänezeit leistet er im Gustloff-Werk und später in der Gerätekammer Zwangsarbeit. Nach der Befreiung des Lagers am 11. April 1945 tritt er am 22. April die Heimreise an.
Nach seiner Rückkehr wird Günter Pappenheim unmittelbar in der SPD aktiv, seit 1946 in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Zudem übernimmt er Funktionen in antifaschistischen Organisationen, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und setzte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) für die Belange ehemaliger Häftlinge und Hinterbliebener ein. Er qualifiziert sich an der Landesverwaltungsschule und wird ab Anfang der 1950er Jahre in verschiedenen Positionen in den SED-Kreisleitungen Bad Salzungen und Suhl tätig. 1960 schließt er ein Studium an der Parteihochschule der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) in Moskau als Diplom-Gesellschaftwissenschaftler ab. Anschließend übernimmt Günter Pappenheim verschiedene leitende Partei- und Regierungsämter: 1960 bis 1964 ist er Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Schmalkalden, 1966 bis 1971 Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Luckenwalde, 1971 bis 1974 Vorsitzender des Rates des Bezirkes Potsdam und ist 1974 bis 1989 Mitglied der Zentralen Parteikontrollkommission der SED (ZPKK).
Seit 2001 ist Günter Pappenheim deutscher Vizepräsident im Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) und seit 2005 Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.