Warnschild am Lagerzaun des KZ-Außenlagers Boelcke-Kaserne, April 1945, Ausschnitt. Foto: US Holocaust Memorial Museum

Winter 1944/45: Beginnende Auflösung

Die Auflösungsphase des KZ Mittelbau begann bereits im Spätherbst 1944. Da die Außenlager überfüllt waren, besonders aber durch den einsetzenden Winter verschlechterten sich die Lebensbedingungen in allen Lagern des Komplexes, was zu einem starken Anstieg der Todesrate führte. War diese nach dem Höchststand im März 1944 (750 Tote) im Sommer jenes Jahres auf monatlich 100 bis 150 Tote abgesunken, so stieg sie ab November wieder stark an und erreichte im Dezember die Zahl von 570 offiziell von der SS registrierten Toten, davon allein knapp 500 im Lager Ellrich-Juliushütte.

Ende 1944 begann die SS, die Insassen der Lager Auschwitz und Groß-Rosen vor der anrückenden Roten Armee in weiter westlich gelegene Konzentrationslager zu "evakuieren". Viele dieser Transporte gingen in den "Mittelbau" - insgesamt wurden bis zu 16.000 Häftlinge aus Auschwitz und Groß-Rosen bis März 1945 dorthin verschleppt, darunter auch Frauen und Kinder. Mit diesen Transporten stieg auch die Zahl der jüdischen Häftlinge in den Mittelbau-Lagern. Die meisten von ihnen waren nach wochenlangen Eisenbahntransporten krank und völlig erschöpft, viele überlebten die Transporte nicht.

Folge dieser Entwicklung war eine erneute drastische Zunahme der Sterblichkeit. Zwischen Januar und Anfang April 1945 starben in den Lagern des KZ Mittelbau über 6000 Häftlinge, davon etwa 3000 in der Boelcke-Kaserne in Nordhausen, die von der SS Anfang Januar als zentrales Sterbelager für den Mittelbau-Komplex eingerichtet worden war.