Lagerstandorte und Bauvorhaben im Bereich des KZ Mittelbau-Dora 1944/45. Grafik: Jens Borleis

Sommer 1944: Die Herausbildung des KZ-Komplexes Mittelbau-Dora

Die Gründung der zunächst noch dem KZ Buchenwald zugehörigen späteren Mittelbau-Außenlager erfolgte im Zusammenhang mit der Bildung des "Jägerstabs" und der Untertageverlagerung der Luftrüstung ab dem Frühjahr 1944. Rund um Nordhausen sollten im Rahmen des Jägerprogramms nach dem Vorbild des Mittelwerkes unterirdische Verlagerungsbetriebe für den Junkers-Konzern entstehen. Daneben begann man, die für den geplanten Rüstungskomplex im Südharz nötige Infrastruktur zu schaffen.

Nach der Gründung des "Geilenbergstabs" kamen im Sommer 1944 weitere Untertageverlagerungsprojekte der Mineralölindustrie hinzu. Der enorme Arbeitskräftebedarf für diese Projekte wurde zu einem großen Teil durch KZ-Häftlinge, aber auch durch zwangsrekrutierte ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und dienstverpflichtete Deutsche gedeckt.

Angesichts des nahenden Kriegsendes ist jedoch trotz des rücksichtslosen Einsatzes besonders der KZ-Häftlinge kaum eines dieser Projekte auch nur annähernd fertiggestellt worden. Die meisten im Zusammenhang mit der Untertageverlagerung eingerichteten Mittelbau-Lager lagen in einem relativ eng umrissenen Gebiet um Nordhausen.

Neben dem Hauptlager Dora, das mit durchschnittlich etwa 15.000 Häftlingen belegt war, bildeten die Lager Ellrich (gegründet am 2. Mai 1944, belegt mit durchschnittlich etwa 8000 Häftlingen), Harzungen (1. April 1944, 4000 Häftlinge), Rottleberode (13. März 1944, 1000 Häftlinge) und die SS-Baubrigaden III und IV (zusammen etwa 3000 Häftlinge, die sich auf mehrere kleinere Lager entlang einer im Bau befindlichen Ausweichbahnlinie im Helmetal zwischen Nordhausen und Herzberg verteilten) den Kern des Mittelbau-Komplexes. Nach der Verselbständigung des KZ Mittelbau kamen mit der Verlagerung neuer Rüstungsprojekte in den Südharz weitere Außenlager hinzu; schließlich befanden sich im Frühjahr 1945 über 40.000 Häftlinge in den mittlerweile etwa 40 Mittelbau-Lagern. 

Die Gefangenen kamen aus fast allen Ländern Europas, vor allem aus der Sowjetunion, aus Polen und aus Frankreich. Die meisten von ihnen waren aus politischen Gründen inhaftiert worden. Seit Mai 1944 wurden auch Juden nach Mittelbau-Dora verschleppt. Im Zuge der Auflösung des „Zigeuner-Familienlagers" in Auschwitz-Birkenau brachte die SS zwischen April und August 1944 zudem viele Sinti und Roma in den Südharz.