Pressevorbesichtigung am 13. April 2016. Foto: Rosina Korschildgen, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Presseinformation

„Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“

Neue Dauerausstellung zeigt die Geschichte des KZ auf dem neusten Forschungsstand und bettet es in die der NS-Gesellschaft ein; Eröffnung am 17. April 2016 mit Kulturstaatsministerin Grütters, dem Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten‎ Hoff und ehemaligen Häftlingen aus Anlass des 71. Jahrestages der Befreiung Buchenwalds

„Wieder ist es erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht“, notierte der Romanist und Politiker Victor Klemperer Anfang 1933 in seinem Tagebuch. Zur gleichen Zeit resümierte der Schriftsteller Robert Musil: „Freiheit der Presse, der Äußerung überhaupt, Gewissensfreiheit, persönliche Würde – Geistesfreiheit – usw., alle die liberalen Grundrechte sind jetzt beseitigt, ohne daß es nur einen einzigen zum äußersten empörte, ja im ganzen, ohne daß es die Leute überhaupt stark berührt.“ Diese beiden Beispiele, für eine im damaligen Deutschland angesichts der reibungslosen Machtübergabe an Hitler und die Nationalsozialisten außergewöhnliche Fassungslosigkeit, können für die Brüchigkeit unserer Gegenwart sensibilisieren; einer Gegenwart, in der völkischer Nationalismus, rassistische Ungleichwertigkeitsideologien, kulturelle Illiberalität und antidemokratisches Denken keineswegs überwunden sind. Vor diesem Hintergrund verschränkt „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“ – in ausdrücklicher Absetzung von einem Trend der Erinnerungskultur, sich in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auf das entkontextualisierte Grauen der Lager zu beschränken – den Blick in das Lager mit dem Blick in die deutsche Gesellschaft; eine Gesellschaft, die Lager und Ausgrenzung überwiegend akzeptierte, für gerechtfertigt und notwendig hielt, die kaum Anstoß nahm, die sich der Lager vielfältig bediente und die schließlich mit dem „totalen Krieg“ von Lagern flächendeckend durchsetzt war.

Die reibungslose Nachbarschaft von Weimar und Buchenwald ist hierfür ein eindrückliches Beispiel: Das KZ wird problemlos zum Bestandteil der Stadt. Krankenhaus und Krematorium stehen der SS für ihre Zwecke zur Verfügung. Weimarer Handwerker, Spediteure und Händler machen Geschäfte mit ihr. Sie bieten Waren oder Dienste an, beliefern das Konzentrationslager oder profitieren von Häftlingen als Zwangsarbeiter. Hilmar Wege etwa, Inhaber der Firma Gummi-Wille, liefert die von ihm verkauften Bruchbänder bereitwillig persönlich in das Lager und passt sie dort Häftlingen an. Und der Weimarer Oberbürgermeister Otto Koch beauftragte im April 1942 in Absprache mit den Leitern der Kulturstätten die SS-eigenen Werkstätten im KZ Buchenwald – die sogenannten Deutschen Ausrüstungswerken (DAW) – mit der Herstellung von Kopien der Möbel aus Friedrich Schillers Arbeits- und Sterbezimmer. Dazu werden die Originalmöbel aus dem Schillerhaus in das Konzentrationslager gebracht und dort unter Anleitung des Schreiners Willy Werth, Häftling seit 1937, nachgebaut.

 

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